Ägypter wollten in Tirol Grabbeigabe um zwei Millionen Euro verkaufen

30. September 2015, 13:44
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Freisprüche in Prozess wegen eines aus dem Grab eines altägyptischen Beamten gestohlenen Uschebti

Uschebti, das: eine fünfzehn bis zwanzig Zentimeter große Figur, die im alten Ägypten als Grabbeigabe diente und im Jenseits Aufgaben des Toten ausführen soll. Wie viel so etwas in der Regel kostet? "Zwischen fünf Millionen und unbezahlbar", zumindest wenn es nach den beiden in Tirol wohnhaften angeklagten Ägyptern geht, die sich am Mittwoch am Landesgericht Innsbruck verteidigen mussten.

Die beiden Männer hatten zuvor versucht, ein ebensolches Uschebti, das zu einem unbestimmten Zeitpunkt in ihrer Heimat aus dem Grab des Beamten Hor-ir-aa gestohlen wurde, zu verkaufen. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Hehlerei.

Verdeckter Ermittler

Der 40-jährige Erstangeklagte gab an, die Grabfigur auf einem Flohmarkt im Tiroler Völs gemeinsam mit einer weiteren Statue um insgesamt hundert Euro gekauft zu haben. Er habe nicht gewusst, wie viel das Uschebti wirklich wert sei, weshalb er gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Zweitangeklagten, Erkundigungen einholte. Das Ergebnis ihrer Recherche: Solche Uschebtis kosten "bis zu unbezahlbar".

Schließlich einigten sich die beiden auf einen Verkaufspreis von zwei Millionen Euro. "Warum haben Sie das Uschebti nicht einem Museum angeboten?", fragte der Richter. "Wie hätte ich das dem Museum erklären sollen?", antwortete der Angeklagte. "Na so, wie Sie das dem verdeckten Ermittler erklärt haben, dem Sie in die Arme gelaufen sind. 'Ich habe eine Statue, sie ist unbezahlbar, ich will zwei Millionen dafür.'"

Freispruch im Zweifel

Das große Problem beim Verkauf von Uschebtis: Sie stehen auf der roten Liste gefährdeter Kulturgüter, seit 1983 ist die Ausfuhr solcher Gegenstände aus Ägypten illegal. Dessen seien sie sich allerdings nicht bewusst gewesen, beteuerten beide Beschuldigten.

Der Völser Flohmarkttandler wollte sich weder an das Uschebti noch den angeklagten Käufer erinnern. Wie die Figur nach Tirol kam, blieb also gänzlich ungeklärt. Der Freispruch der beiden Männer erfolgte schlussendlich im Zweifel, da man nicht nachweisen konnte, ob das Uschebti legal eingeführt wurde oder nicht, und man dadurch nicht feststellen konnte, ob die beiden Ägypter es rechtmäßig besaßen.

Uschebti bald wieder in Ägypten

"Die Art und Weise, wie Sie versucht haben, das Uschebti zu verkaufen, war schräg und dumm", bemerkte der Richter in seiner Urteilsbegründung. "Dummheit alleine ist bei uns allerdings noch nicht strafbar."

Das Uschebti wird nun wieder nach Ägypten geschickt. Tatsächlich soll es rund 5.000 Euro wert sein. (Katharina Mittelstaedt, 30.9.2015)

  • Das große Problem beim Verkauf von diesen altägyptischen Grabbeigaben: So genannte Uschebtis stehen auf der roten Liste gefährdeter Kulturgüter.
    foto: apa/unbekannt

    Das große Problem beim Verkauf von diesen altägyptischen Grabbeigaben: So genannte Uschebtis stehen auf der roten Liste gefährdeter Kulturgüter.

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