Studie: Stress macht starr im Kopf

30. September 2015, 10:44
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Deutsche Wissenschafter zeigen an einer Studie mit Kindern, zu welchem Verhalten der Anstieg von Cortisol im Gehirn führen kann

Unter Stress neigen Menschen dazu, in Gewohnheiten zu verfallen und weniger Neues auszuprobieren. Dass das nicht nur auf Erwachsene zutrifft, sondern auch auf Kleinkinder berichten Psychologinnen und Psychologen der Ruhr-Universität Bochum und Technischen Universität Dortmund in der Zeitschrift PNAS.

Ungewohnte Alltagssituationen lassen Stresshormon Cortisol ansteigen: Sabine Seehagen aus Bochum und Norbert Zmyj aus Dortmund untersuchten mit ihren Kolleginnen 26 Kleinkinder im Alter von 15 Monaten, die eine Lernaufgabe absolvierten.

Ungewohnte Alltagssituationen

Ungefähr die Hälfte der Kinder erfuhr zuvor stressige Situationen, wie sie im Alltag vorkommen können: Eine unbekannte Person setzte sich neben sie, ein Tanzroboter spielte laute Musik und bewegte sich, die Eltern verließen für maximal vier Minuten den Raum. Das bewirkte einen Anstieg des Stresshormons Cortisol. Die Kinder in der Kontrollgruppe spielten in der gleichen Zeit mit ihren Eltern.

Dann bekamen die Kinder eine Box mit zwei Lampen präsentiert und lernten, dass eine von ihnen bei Druck rot leuchtete, die andere blau. Sie durften eine der Lampen so häufig drücken, wie sie wollten, während der Zugang zu der anderen Lampe gesperrt war.

Beim folgenden Test hatten die Kinder die Wahl, sich mit beiden Lampen zu beschäftigen, jedoch leuchtete keine davon mehr auf. Obwohl die Lampe nicht mehr funktionierte, drückten Kinder in der Stressgruppe dennoch immer weiter auf diejenige Lampe, an die sie sich zuvor gewöhnt hatten.

Höhere Flexibilität

Kinder in der Kontrollgruppe hingegen zeigten ein flexibleres Verhalten und probierten signifikant häufiger die andere Lampe aus.

Für Erwachsene ist inzwischen gut belegt, dass Stress Gewohnheitsverhalten fördert und die kognitive Flexibilität verringert. Das Team aus Bochum und Dortmund passte ein Versuchsdesign aus Erwachsenenstudien an, so dass die Forscher gleiche Zusammenhänge auch bei Kleinkindern analysieren konnten. "Wenn Kleinkinder wiederholt Stress ausgesetzt sind und deshalb keine alternativen Verhaltensweisen ausprobieren, könnte sich das negativ auf ihren Wissenserwerb auswirken", sagt Sabine Seehagen. "Der Effekt sollte in weiteren Studien genauer untersucht werden." (red/idw, 30.9.2015)

Originalstudie:

Stress impairs cognitive flexibility in infants

  • Unbekanntes ist für Kinder Stress: Ihre Aufnahmefähigkeit reduziert sich.
    foto: reuters

    Unbekanntes ist für Kinder Stress: Ihre Aufnahmefähigkeit reduziert sich.

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