Chromecast: Googles "trojanisches Pferd" in unserem Alltag

30. September 2015, 10:33
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Günstige Streaming-Geräte senken Einstiegshürde in die Ära der vernetzten Heimgeräte

Er ist klein, unscheinbar und versteckt sich hinter dem Fernseher. Googles Streaming-Stick Chromecast, der es seit 2013 für wenig Geld ermöglicht, diverse Apps und andere Inhalte mit wenig Aufwand vom PC oder Smartphone auf den größten Bildschirm in den eigenen vier Wänden zu schicken.

Ein ausgesprochen erfolgreiches Konzept, wie man am jüngsten Google-Event von CEO Sundar Pichai erfahren konnte. In zwei Jahren konnte Google 20 Millionen Stück verkaufen. Nun gibt es gleich zwei Nachfolge-Modelle, von denen eins ausschließlich dem Audio-Konsum gewidmet ist. Doch was macht Chromecast so erfolgreich?

Offene Plattform, günstiger Einstieg

Bei The Verge betrachtet man das Gerät als Googles "trojanisches Pferd für das Wohnzimmer". Eine Argumentation, die man wohl von besagtem Raum auf den Alltag ausdehnen muss. Neben anderen Zimmern des Eigenheims erweist sich das schnelle "Spiegeln" von Video, Apps und Musik auf Wiedergabegeräte auch in Arbeitsumgebungen als praktisch.

Chromecast ist nicht nicht als eigenständige Entertainment-Lösung gedacht. Viel mehr ist es eine offene Plattform, die Unternehmen wie Netflix, Spotify oder Games-Entwickler anziehen soll. Sie müssen dafür nur ihre bestehenden Apps um "Cast"-Features erweitern.

Google senkt aber auch die Hürde für die Verbraucher – nämlich auf 39 Euro und wenige Klicks zum Einrichten. Statt sich ein vergleichsweise teures SmartTV oder kostspielige vernetzte Lautsprecher anschaffen zu müssen, obwohl man bereits einen grundsätzlich gutee TV- und Audio-Ausstattung besitzt, lagert man dessen Funktionen auf das Smartphone oder Tablet aus.

Potenziale

Chromecast macht den Fernseher smart, Chromecast Audio Lautsprecher. Das Konzept lässt sich weiterdenken. Amazon hat seine Sprachassistentin Alexa in einen Lautsprecher, "Echo", integriert. Dieser sucht auf Befehl Informationen aus dem Netz, spielt Musik ab, verwaltet den Kalender und übernimmt auch diverse andere Aufgaben.

Mit dem Smartphone, das die nötige Rechenpower und ein Mikrofon mitbringt, könnte einmal jeder beliebige Lautsprecher zu einem "Echo" werden. Egal ob durch Google Now, Alexa, Cortana oder einen anderen Helfer – eine entsprechende App genügt.

Übergangslösung

Die Streaming-Geräte werden damit zu einem wichtigen Teil der elektronischen Infrastruktur. Doch sie haben ein Ablaufdatum. Auch Google selbst ist der Überzeugung, dass in Zukunft praktisch alle Lautsprecher, Fernseher und noch viele andere Heimgeräte ab Werk vernetzt sein werden. Entsprechende Bemühungen zeigt man schon seit Jahren. Eigene Anläufe im Hardwarebereich mit Google TV (mittlerweile von Android TV als Plattformlösung abgelöst) oder Nexus Q scheiterten bisher, vielversprechender sieht es beim 2014 übernommenen Unternehmen Nest Labs aus, das vor allem für seine smarten Thermostate bekannt ist.

Chromecast schlägt die Brücke zwischen dem Ende des Offline-Zeitalters und der "smarten" Ära. Zwei Streaming-Clients für 40 Euro sind damit Googles derzeit schwerstes Geschütz im Kampf um den vernetzten Alltag. (gpi, 30.09.2015)

  • Chromecast macht für 39 Euro Fernseher und neuerdings auch Lautsprecher "smart".
    foto: google

    Chromecast macht für 39 Euro Fernseher und neuerdings auch Lautsprecher "smart".

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