Was sich Arbeitnehmer von ihren Chefs wünschen

30. September 2015, 13:00
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Österreichs Arbeitnehmer verlangen Autonomie und mehr Förderung vom Chef. Laut der Studie verliert Hierarchie in Unternehmen an Bedeutung

Hierarchie? Fehlanzeige. Zumindest wenn man der neuen Studie von Xing "Neue Arbeitswelt. Neue Führungskultur" Glauben schenkt, für die 1.000 sozialversicherungspflichtige angestellte Arbeitnehmer in Österreich befragt wurden. 80 Prozent der Arbeitnehmer wünschen sich demnach Vorgesetzte, die sich ihnen gegenüber wie Kollegen und nicht wie klassische Chefs verhalten – vor allem die unter 35-Jährigen (84 Prozent). 46 Prozent sagen außerdem, dass sie lieber "ohne Anweisungen von oben" arbeiten wollen und etwa die Hälfte wünscht sich mehr Autonomie bei der Bestimmung der Arbeitszeiten.

Führung im Wandel

Für Carmen WIndhaber, Country Managerin Österreich bei Xing, sprechen die Ergebnisse für einen strukturellen Wandel: "Die Arbeitswelt wandelt sich aktuell massiv. Starre Hierarchien werden von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zunehmend hinterfragt. Führungsstile ändern sich. Oder müssen sich ändern."

foto: istock

Der Status Quo in der Führungskultur geht oft schon in diese Richtung: 58 Prozent bewerten die Kommunikation mit dem Vorgesetzten als offen und fühlen sich von ihm ausreichend wertgeschätzt.

Spezialfall "Wissensarbeiter"

Vor allem die so genannten Wissensarbeiter, die unter anderem durch eine akademische Ausbildung und dem Bedürfnis nach einer großen Flexibilität im Job gekennzeichnet sind, haben ein besonders offenes Verhältnis zu ihrem Chef: 62 % geben an, dass sie Kritik äußern können, ohne dass das negative Auswirkungen für sie hat. Dazu passt, dass sich 67 Prozent der Wissensarbeiter von ihrem Chef ausreichend wertgeschätzt fühlen. Diese Gruppe würde sich auch mit weniger Gehalt zufrieden geben, wenn sie auf eine andere Weise Ausgleich erhalten: Für Tätigkeiten, bei der die Atmosphäre stimmt (42 Prozent), bzw. bei der sie das Gefühl haben, erfüllt zu sein (39 Prozent).

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Kein Rollentausch erwünscht

Nur jeder siebte fühlt sich von seinem Chef übermäßig kontrolliert oder unter Druck gesetzt – tauschen wollen die Befragten Arbeitnehmer aber doch lieber nicht: Nur ein Viertel würde gerne die Rolle des Chefs übernehmen. Bei den über 55-Jährigen sind es überhaupt nur neun Prozent.

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Nachholbedarf bei Arbeitszeit

Weniger zufrieden sind die Befragten allerdings, was die zeitliche Selbstbestimmung und neue Arbeitszeitmodelle angeht: Mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) gibt an, mehr Autonomie bei der Einteilung der eigenen Arbeitszeiten zu wollen. Die Gruppe der Wissensarbeiter hat dabei noch am meisten Freiheit: 43 Prozent können ihre Arbeitszeit flexibel gestalten. Die meisten Arbeitnehmer arbeiten 35 bis 45 Stunden die Woche, möchten im Schnitt aber gerne vier Stunden weniger arbeiten. Für den Chef gelten aber nicht die gleichen Maßstäbe: Jeder dritte Österreicher findet, dass der Chef 45 Stunden und mehr pro Woche arbeiten sollte, um seine Aufgaben als Führungskraft zu erfüllen.

Schlechte Noten für Führungsstil

Auch die Kompetenzen bei den Vorgesetzten könnten laut den Befragten besser sein: Die Hälfte ist der Meinung, dass ihr Chef nicht über das nötige Fachwissen verfügt, um sie zu führen. Jeder Vierte (23 Prozent) weiß nicht genau, was die Zielvorgaben seines Vorgesetzten sind und lediglich vier von zehn fühlen sich vom Chef ausreichend motiviert.

Die Gesamtbewertung der Chefs fällt demnach mittelmäßig aus: Nur jeder zweite Arbeitnehmer hält seinen Vorgesetzten für authentisch und glaubwürdig. Sechs von zehn vertrauen dem Chef und glauben, dass er für sie da ist, wenn sie ihn brauchen. Darüber hinaus identifiziert sich nur knapp die Hälfte der Arbeitnehmer mit dem eigenen Arbeitgeber und bescheinigt diesem ein gutes Image (jeweils 53 Prozent). (lhag, 30.09.2015)

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