Autor, Kritiker und Journalist Hellmuth Karasek gestorben

30. September 2015, 07:13
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Der Kompagnon von Marcel Reich-Ranicki im "Literarischen Quartett" starb 81-jährig in Hamburg

Hamburg – Kurz bevor das ZDF eine Neuauflage des "Literarischen Quartetts" wagt, ist einer seiner wichtigsten Protagonisten gestorben: Der Literaturkritiker Hellmuth Karasek starb am Dienstag 81-jährig in Hamburg. Jahrelang diskutierte Karasek mit Marcel Reich-Ranicki, Sigrid Löffler und weiteren Kritikern im "Literarischen Quartett" über neue Bücher, mit seinen wortgewandten Auftritten wurde er auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Die Neuauflage des Klassikers beginnt am Freitag, fast 14 Jahre nach der letzten Sendung.

Karasek war Autor, Kritiker, Moderator und Journalist. Und er liebte das Publikum. Selbst nachdem das "Quartett" (1988–2001) nach 77 Folgen und 375 besprochenen Büchern eingestellt wurde, tauchte er immer wieder auf dem Bildschirm auf, was ihm bisweilen Kritik einbrachte. "Ich kann an solchen Fernsehauftritten nichts Ehrenrühriges finden", lautete sein Kommentar dazu. "Das Fernsehen hat mein Leben am meisten verändert."

Kulturressortchef und Theaterkritiker

Als Journalist schrieb Karasek für mehrere Zeitungen, er war Theaterkritiker bei der "Zeit" und Kulturressortchef des "Spiegel". Er veröffentlichte zahlreiche Bücher und verfasste unter dem Pseudonym Daniel Doppler Theaterstücke. Dabei war das Schreiben für ihn harte Arbeit, wie er zu seinem 75. Geburtstag erzählte.

Sein Romandebüt hatte er 1998 mit "Das Magazin" gegeben – über das intrigante Innenleben eines Hamburger Nachrichtenmagazins. Meist wurde das Buch verrissen, aber vereinzelt auch trotz Übertreibungen als wahre Schilderung anerkannt. Zwei Jahre zuvor war es zwischen ihm und dem "Spiegel" zum Bruch gekommen: Seine Umtriebigkeit hatte beim Arbeitgeber für Argwohn gesorgt, ein abgelehnter Artikel zu Helmut Dietls "Rossini" bot den Anlass.

"Ich habe in zwei Diktaturen gelebt"

Geboren wurde Karasek 1934 als eines von fünf Kindern im mährischen Brünn. Während der NS-Zeit besuchte er für einige Monate eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt (Napola), die NS-Eliteschule. Ende des Zweiten Weltkriegs floh die Familie vor der Roten Armee nach Bernburg an der Saale in Sachsen-Anhalt. Nach dem Abitur übersiedelte Karasek 1952 aus der DDR in die Bundesrepublik und studierte in Tübingen Germanistik, Geschichte und Anglistik. "Ich habe in zwei Diktaturen gelebt. Die erste habe ich gemocht und erst später gemerkt, dass das ein Schweineregime war. Die zweite habe ich von Anfang an gehasst", sagte er einmal.

Die Kindheit im Dritten Reich habe ihn am meisten geprägt: "Durch den Krieg hat man gelernt, dass kein Stein auf dem anderen steht, nichts Bestand hat und man immer misstrauisch bleibt." Schliff und Drill, die ihm als Buben in der Hitlerjugend und der Napola vermittelt worden seien, hätten bei ihm weniger nachhaltig gewirkt.

Seine künstlerischen Gene gab Karasek, vierfacher Vater und in zweiter Ehe mit der Kulturredakteurin Armgard Seegers verheiratet, an seine Kinder weiter: Sohn Daniel aus erster Ehe ist Intendant am Theater in Kiel, Tochter Laura hat ihren ersten Roman ("Verspielte Jahre") veröffentlicht. "Sie wollte einen künstlerischen Beruf ergreifen, aber ich habe zu ihr gesagt: Lerne was Anständiges – und da hat sie Jura studiert." Als sie ihm die ersten 100 Seiten ihres Romans vorgelegt habe, sei er jedoch überzeugt gewesen: "Das musst du unbedingt weitermachen." (APA, dpa, 30.9.2015)

  • Hellmuth Karasek starb im Alter von 81 Jahren in Hamburg.
    foto: apa/epa/markus scholz

    Hellmuth Karasek starb im Alter von 81 Jahren in Hamburg.

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