Österreich als Standort weiter auf Talfahrt

30. September 2015, 00:01
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Bei Wettbewerbsfähigkeit Rang 23 – Deutschland und Niederlande holen auf

Abgesandelt oder nicht: Österreichs Wettbewerbsfähigkeit hat sich laut dem neuesten Ranking des World Economic Forum (WEF) neuerlich verschlechtert. Der Standort schaffte es nur noch auf Platz 23, im Vorjahr belegte Österreich Rang 21, 2013 noch die 16. Position unter 140 Ländern.

Besonders schlecht schneidet das Land bei den makroökonomischen Rahmenbedingungen ab, die hohe Schulden und Defizit reflektieren. Hier belegt Österreich unter 144 Ländern nur Platz 45. Ebenfalls dürftig ist die Einschätzung des Landes bei der Arbeitsmarkteffizienz (Rang 40), bei der Marktgröße (42) und bei der Finanzmarktentwicklung (47).

Bessere Werte erzielt das Land hingegen in den Übergruppen Spezialisierung der Wirtschaft, bei der Infrastruktur sowie bei Gesundheit und Bildung – in all den Themenfeldern kommt Österreich unter die Top 20. Die vom Weltwirtschaftsforum erhobenen Daten basieren auf einer Mischung aus ökonomischen Daten und Umfragen und werden oft als nicht repräsentativ kritisiert.

Sieht man sich die Untergruppen näher an, kommt Österreich in einigen Bereichen nicht einmal unter die Top 100 der Welt. Sehr kritisch werden in dieser Bewertung beispielsweise die Anreizwirkungen der Besteuerung für Investitionen (115) sowie für Arbeit (134), die Gewinnbesteuerung (117), die Anmeldezeit für ein Unternehmen (102) und die Flexibilität bei der Lohnfestlegung (139) betrachtet, ebenso die Staatsverschuldung (121).

An der Spitze des WEF-Rankings hat sich im Vergleich zu 2014 wenig verändert: Die Schweiz führt vor Singapur und den USA. Einige europäische Länder haben sich heuer verbessert: So rückte Deutschland von Rang fünf auf vier vor, die Niederlande von acht auf fünf. Auch Spanien und Italien hätten Fortschritte bei der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit erzielt, heißt es. Griechenland verharrt auf Platz 81. Deutlich abgerutscht ist Finnland, das nach Platz vier nur noch Rang acht belegt.

International findet der Abschwung der Schwellenländer seinen Niederschlag in der jüngsten Bewertung, allerdings keinesfalls einheitlich. Das in einer tiefen Rezession steckende Brasilien verzeichnet mit einer Verschlechterung von Position 57 auf 75 einen der größten Rückfälle unter allen Ländern, während mit Mexiko und Kolumbien gleich zwei große Volkswirtschaften besser abschnitten als im Vorjahr. Die Türkei rutschte auf Platz 51 ab, während China Rang 28 behaupten konnte. Indien schob sich nach fünf Jahren des Abstiegs gleich um 16 Positionen auf Rang 55 nach vorne. Auch Südafrika kämpfte sich vor (49).

(Andreas Schnauder, 30.9.2015)

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