Bewährungsstrafe für verweigerte Homoehe-Schließung in Marseille

29. September 2015, 17:50
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Sexuelle Diskriminierung: Vizebezirksbürgermeisterin wollte lesbisches Paar nicht trauen

Marseille – Weil sie ein lesbisches Paar nicht trauen wollte, ist eine stellvertretende Bezirksbürgermeisterin in Marseille zu fünf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Sabrina Hout muss den beiden Frauen zudem jeweils 1.200 Euro zahlen, wie das Strafgericht in der französischen Stadt am Dienstag entschied. Hout habe die Frauen wegen ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert.

Ehe musste annulliert werden

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist es die erste derartige Verurteilung nach Einführung der Homoehe in Frankreich im Mai 2013. Hout hatte im August 2014 die Trauung der beiden Frauen einem Gemeinderatsmitglied überlassen, das gar keine Ehen schließen durfte. Um das dennoch zu ermöglichen, manipulierte sie die Eintragungen im Heiratsregister. Die Ehe musste deswegen annulliert und später erneut geschlossen werden. Die heute 39-Jährige gab an, sich schlecht zu fühlen, machte aber gegenüber Mitarbeitern religiöse Motive geltend.

Erinnert an Causa in den USA

Das Gericht warf Hout vor, eine Farce aufgeführt zu haben, um die Ehe nicht schließen zu müssen. Am selben Tag hatte sie vier heterosexuelle Paar getraut. Der Fall erinnert an die US-Standesbeamtin Kim Davis, die Anfang September für mehrere Tage in Beugehaft kam, weil sie keine Trauscheine für Homosexuelle ausstellen wollte.

Frankreich hatte die Homoehe im Frühjahr 2013 nach monatelangen Protesten konservativer und christlicher Gruppen eingeführt. Seither haben mehr als 17.000 schwule und lesbische Paare geheiratet. (APA, 29.9.2015)

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