Wie sich das Mitgefühl ein- und ausschalten lässt

29. September 2015, 17:55
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Kürzlich konnten Forscher zeigen, dass schmerzunempfindliche Menschen auch weniger Mitgefühl zeigen. Nun aktivierten sie das gehemmte Mitgefühl wieder

Wien – Wir alle kennen Schmerzen aus eigener Erfahrung, und gerne würden wir in Momenten allzu starker Pein darauf verzichten. Doch ohne Schmerzempfinden würde uns etwas Entscheidendes abgehen: nämlich ein lebenswichtiger Schutzmechanismus vor potenziellen Schädigungen.

Unser Schmerzempfinden hat aber auch unmittelbar damit zu tun, ob und wie wir mit anderen mitfühlen, wie der Neuropsychologe Claus Lamm von der Universität Wien jüngst mit Kollegen zeigen konnte: Konkret baut die Fähigkeit, den Schmerz anderer Personen nachzuempfinden, auf jenen neurobiologischen Prozessen auf, die die Grundlage für die Empfindung von selbst erlebtem Schmerz sind.

Für ihre neue Studie verabreichten die Forscher freiwilligen Versuchsteilnehmern eine Tablette unter der Zusicherung, dass es sich dabei um ein wirksames Schmerzmittel handelte, obwohl das vermeintliche Medikament tatsächlich nur ein Placebo war. Dennoch führte es dazu, dass die Probanden weniger Schmerzen empfanden als die Vergleichsgruppe, die gar nichts bekam.

Die schmerzreduzierten Teilnehmer wurden aber nicht nur unempfindlicher für schwache Elektroschocks auf ihrem eigenen Handrücken: Sie hielten auch bei ihren Partnern die Stromstöße für weniger belastend.

Empathie aktiviert schmerzähnliche Prozesse

Für ihre neue Studie im Fachblatt "PNAS" blockierten die Forscher bei einigen schmerzreduzierten Versuchspersonen mit einem echten Medikament die Opiatrezeptoren. Damit war nicht nur das Schmerzempfinden wieder hergestellt, auch die Empathie normalisierte sich wieder. Für Lamm und Kollegen ist damit noch offensichtlicher, dass Empathie schmerzähnliche Prozesse im Gehirn aktiviert, die jenen bei selbst empfundenem Schmerz ähnlich sind.

Dennoch werden die Wissenschafter über diese Zusammenhänge weiterforschen – in der nächste Studie unter Verwendung von geringen Dosen echter Schmerzmittel. (tasch,30.9.2015)

  • Unsere Fähigkeit, Schmerzen zu empfinden, kann durch Schmerzmittel oder auch nur Placebos stark herabgesetzt werden. Das wirkt sich auch maßgeblich auf unsere Empathie für andere Personen aus.
    foto: apa/dpa/marcus führer

    Unsere Fähigkeit, Schmerzen zu empfinden, kann durch Schmerzmittel oder auch nur Placebos stark herabgesetzt werden. Das wirkt sich auch maßgeblich auf unsere Empathie für andere Personen aus.

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