Kosovo will Unesco beitreten

29. September 2015, 17:28
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Die Chancen stehen gut, obwohl Serbien kampagnisiert

Prishtina/Belgrad – Die Rede ist von "albanischen Extremisten und Terroristen", die Kirchen, Klöster und Friedhöfe zerstörten. Wenn man die aktuelle Propaganda des serbischen Außenministeriums liest, fühlt man sich unweigerlich an die Rhetorik im Kosovo-Krieg erinnert. Diesmal versucht die serbische Regierung allerdings nur zu begründen, weshalb der Kosovo nicht Teil der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) werden sollte.

Gegen Anerkennung als Staat

Die Aufzählung der ehemals zerstörten Kulturdenkmäler – von denen viele wieder aufgebaut wurden – eignet sich aber wohl kaum für ein driftiges Argument von serbischer Seite, denn es ist gerade die Unesco, die den Schutz des Kulturerbes gewährleistet. Ein Unesco-Beitritt des Kosovo wäre gerade für den Wiederaufbau orthodoxer Kulturdenkmäler förderlich. Während der Ausschreitungen gegen Serben im Kosovo im März 2004 wurden zahlreiche orthodoxe Sakralbauten zerstört.

Serbien geht es indirekt aber wohl eher darum, dass die Anerkennung des Kosovo nicht fortschreitet. Der Balkanstaat – in jugoslawischer Zeit eine Provinz – hat sich 2008 für unabhängig erklärt. 110 Staaten haben den Kosovo mittlerweile anerkannt. Wegen des russischen Vetos im UN-Sicherheitsrat ist der Kosovo aber kein Mitglied der Uno.

Die Entscheidung zur Mitgliedschaft fällt am 3. Oktober im Unesco-Exekutivrat, die Vollversammlung findet Anfang November statt. Dort braucht der Kosovo nur eine Zweidrittelmehrheit. Die Chancen stehen gut, dass er diese bekommen wird. Der Antrag ging von Albanien aus, wurde aber von weiteren 44 der 195 Unesco-Mitgliedstaaten unterstützt.

Der serbische Außenminister Ivica Dacic ist trotzdem entschlossen, gegen die Mitgliedschaft anzukämpfen, denn Serbien will den Kosovo nicht als Staat anerkennen. Das Land mit 1,8 Mio. Einwohnern ist seit dem Vorjahr Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees.

Bei der Westbalkankonferenz Ende August in Wien haben alle Nicht-EU-Staaten in Südosteuropa unterschrieben, sich gegenseitig nicht auf dem Weg in die EU zu behindern. Dies gilt aber nicht für internationale Organisationen. Angesichts des Streits zwischen Kroatien und Serbien und zwischen Griechenland und Mazedonien wird angedacht, dass sich auch die benachbarten EU-Staaten verpflichten, die Kandidatenstaaten nicht zu behindern. (Adelheid Wölfl, 29.9.2015)

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