Gastrennung mit ökologischem Anspruch

4. Oktober 2015, 12:01
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Verfahrenstechnikerin Simone Spitzer untersucht Gastrennung mit Membrantechnik

Simone Maria Spitzer hat sich in der Verfahrenstechnik der Reinigung verschrieben. Sie will für Sauberkeit von Luft, Wasser und Erde sorgen. Im Rahmen ihres Bachelorstudiums untersuchte die 24-Jährige mit Erdölprodukten verunreinigte Standorte und verglich verschiedene Bestimmungsverfahren für Kohlenwasserstoffe: "Bei Kontaminationen geht es darum, schnell zu bestimmen, was genau drin ist. Wenn man das weiß, geht es darum, wie man es erfolgreich bekämpfen kann", sagt die Absolventin der Fachhochschule Wiener Neustadt.

Für ihre Masterarbeit entwickelte sie bei QuantaRed, einem Spin-off der Technischen Universität Wien, ein neuartiges Misch-, Extraktions-, und Trennsystem zur Messung von Öl-in-Wasser-Kontaminationen mit. Ein wesentlicher Vorteil des – noch nicht – marktreifen Geräts für Raffinerien oder Bohrinseln ist der Verzicht auf FCKW als Lösungsmittel.

Das starke Bewusstsein für Umweltschutz hat Spitzer von zu Hause mitbekommen. Nach dem Abschluss am Borg Hartberg studierte sie Biotechnische Verfahren an der FH Wiener Neustadt / Campus Tulln.

Für das Doktorat wechselte sie 2014 in die Forschungsgruppe Thermische Verfahrenstechnik – Fluiddynamische Simulation der TU Wien. Damit verbunden war auch ein Wechsel des Aggregatzustands ihrer Untersuchungsobjekte – von flüssig zu gasförmig. Sie arbeitet jetzt mit Gasströmen und testet Membranen, die Kohlendioxid in Biogas- und sogenannte Power-to-Gas-Anlagen abtrennen sollen. Dabei wird mittels eines chemischen Prozesses aus erneuerbaren Energien ein Brenngas hergestellt.

"Botschafterin der Membranen"

Ein Exzellenzstipendium der Industriellenvereinigung und der Wirtschaftskammer Kärnten finanzierte Spitzer sechs Monate am Institut für Polymerforschung des Helmholtz-Zentrums in Geesthacht (Deutschland) als "Botschafterin der Membranen". Das Helmholtz-Zentrum ist an ihren Kenntnissen im Bereich Gastrennung mit Membrantechnik interessiert, die TU Wien will umgekehrt mehr über Membranherstellung wissen, da eine eigene Produktion geplant ist. Während in Deutschland mit Flachmembranen gearbeitet wird, sollen am Institut für Verfahrenstechnik Hohlfasermembranen hergestellt werden.

In Geesthacht wird sie Membranen unter den extremen Bedingungen von Kraftwerken und Verbrennungsanlagen testen. Eine Hohlfasermembran ist ein sehr dünnes Röhrchen (der Durchmesser beträgt einen halben Millimeter), an dessen Oberfläche das zu trennende Gas aus dem Luftstrom mit einem Polymer reagiert. Dicht gepackt, werden die Hohlfasern zu druckstabilen Modulen gefügt.

Dass sie bei der Entwicklung und Verbesserung von Membranen nicht nur theoretisch, sondern auch mit den Händen arbeiten kann, gefällt der Steirerin aus Vorau. Ihre Eltern haben ein technisches Planungsbüro und sagen über die Arbeit ihrer Tochter, dass nach den beiden Schwestern "der dritte Apfel zumindest in der Nähe des Stammes gelandet ist", erzählt Spitzer. Wenn sie nicht tüftelt, liest sie: Fantasy, Fachzeitschriften und Tageszeitungen stehen auf ihrer Liste. Daneben gehören Städtereisen und Hochseilgärten zu ihren bevorzugten Freizeitdestinationen. (Astrid Kuffner, 4.10.2015)

  • Simone Maria Spitzer arbeitet an Methoden zur Reinigung von Luft, Wasser und Erde.
    foto: privat

    Simone Maria Spitzer arbeitet an Methoden zur Reinigung von Luft, Wasser und Erde.

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