Autoimporteure: Marke wichtig, Messergebnis weniger

29. September 2015, 15:52
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VW-Finanzchef schließt höhere Rückstellungen für Abgasskandal nicht aus

Wien – Die Automobilimporteure gehen davon aus, dass das absolute Niveau des Schadstoffausstoßes von Autos für die Kunden nicht so wichtig ist. Die Autokäufer würden vor allem zwischen den Marken vergleichen wollen, sagte Felix Clary, Sprecher der Automobilimporteure, am Dienstag. Ob im Vergleich zum offiziellen Messergebnis zehn Prozent mehr verbraucht werden, sei da "nicht so wichtig".

Unter der neuesten Euro-6-Norm seien Dieselfahrzeuge schon sehr sauber, so Clary. Auf Hinweise, dass Messergebnisse vielleicht nicht die Realität widerspiegeln, antwortete Clary, er könne nur "übernehmen, was offiziell niedergeschrieben wird". Dass sich ein einziger Autokonzern "anscheinend in den USA nicht daran gehalten hat", heiße nicht, dass die Zahlen der Autoindustrie allgemein falsch seien. Zugleich räumte Clary ein: "Wir haben die Zeichen der Zeit erkannt." Abgastests würden künftig realitätsnaher gestaltet. Ab 2017 sind neue Testmethoden geplant.

VW: Rückstellungen reichen nicht aus

Bei Volkswagen reichen die bisherigen finanziellen Rückstellungen in Höhe von 6,5 Milliarden Euro wegen des Abgasskandals nicht für die Lösung aller Probleme aus. Das geht aus einer Antwort von Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch auf Fragen bei einer Managerversammlung hervor, berichtete die Automobilwoche.

Die aktuell veranschlagten 6,5 Milliarden Euro sind demnach vor allem für technologische Lösungen und Serviceleistungen vorgesehen. Möglicher Schadenersatz, Anwaltshonorare und andere Kosten kämen noch dazu.

Der neue VW-Konzernchef Matthias Müller hatte bei der Veranstaltung "schonungslose und konsequente Aufklärung" versprochen. Er erklärte den Führungskräften, VW stehe vor der "größten Bewährungsprobe" der Unternehmensgeschichte.

Kaum Zahlen

Die EU-Wirtschaftsminister werden bei ihrer Tagung am Donnerstag in Luxemburg zwar über den VW-Dieselskandal beraten, Entscheidungen dürfte es aber keine geben. Es gebe noch kaum konkrete Zahlen, hieß es in EU-Ratskreisen. Es gehe um eine Bestandsaufnahme. VW selbst hat bis 7. Oktober Zeit, sich gegenüber dem deutschen Kraftfahrtbundesamt zu äußern.

Darüber hinaus würde der EU-Wettbewerbsrat nur einen kleinen Teil der Kompetenzen im VW-Dieselskandal abdecken. Die Zuständigkeiten liegen beim Umweltrat, was die Typengenehmigungen betrifft, sowie beim Verkehrsrat, der über die Zulassungen von Automobilen zu befinden hat. Österreich wird durch Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) vertreten. Am Mittwoch soll der bisherige VW-Produktionsvorstand Oliver Blume zum neuen Porsche-Chef gekürt werden, nachdem sein Vorgänger Müller infolge des Dieselskandals an die VW-Spitze gerückt ist. (red, 29.9.2015)

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