Bei Grünem Star auch tagsüber mit Licht Auto fahren

29. September 2015, 15:19
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Auch bei Alzheimer kommt es oft zu Einbußen bei der Sicht – einfache Vorsichtsmaßnahmen können helfen

Berlin – Viele Augenerkrankungen, aber auch Alzheimer führen zu Einbußen bei der visuellen Wahrnehmung. Gestörte Reaktionsfähigkeit, blinde Flecken im Gesichtsfeld sowie verminderte Sehschärfe bei Tag und in der Dämmerung sind häufige Folgen. Autofahren kann dann zur Gefahr werden, berichtet die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG).

Die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) mindert die Sehschärfe am Tag und beeinträchtigt das Sehvermögen in der Dämmerung und bei Nacht. "Das kann dazu führen, dass der Fahrer Geschwindigkeiten von anderen Verkehrsteilnehmern falsch einschätzt oder dritte Personen vollständig übersieht", sagt Karl Ulrich Bartz-Schmidt, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Augenklinik Tübingen.

Beim Grünen Star, dem Glaukom, zeigen sich darüber hinaus auch Defekte im Gesichtsfeld. Es entstehen gewissermaßen "Lücken" in der Wahrnehmung, die den Betroffenen selbst oft gar nicht bewusst sind, weil das Gehirn diese blinden Flecken automatisch mit Informationen aus dem Umfeld auffüllt. "Das kann zur Folge haben, dass Fahrzeuge, Fußgänger oder Radfahrer komplett übersehen werden", sagt Bernhard Lachenmayr, Vorsitzender der DOG-Verkehrskommission.

Wichtige Vorsichtsmaßnahmen

Studien belegen: Ist das Sehvermögen bei Dämmerung herabgesetzt, steigt das Risiko für Dunkelheitsunfälle. "Fahrer mit herabgesetzter Tagessehschärfe wiederum sind häufiger in Überholunfälle verwickelt, die leider oft tödlich enden", betont Lachenmayr. Um diese Gefahren zu reduzieren, sollten Betroffene und Angehörige Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.

Oftmals helfe es bereits, nur noch tagsüber in bekanntem Umfeld zu fahren und auf Überholmanöver zu verzichten. Auch der Tipp, Brille und Windschutzinnenscheibe regelmäßig zu reinigen sowie auf getönte Frontscheiben zu verzichten, ist sinnvoll – zusammen mit ungünstigen Wetterverhältnissen können all diese Faktoren den Lichteinfall ins Auge um mehr als zwanzig Prozent verringern.

Überzeugungsarbeit leisten

"Zusätzlich erscheint es sinnvoll, wenn die Betroffenen auch bei Tag mit Scheinwerferlicht fahren, am besten mit einem echten Tagfahrlicht", so Lachenmayr. Dadurch wird der Fahrer besser von anderen Verkehrsteilnehmern und Fußgängern wahrgenommen, was deren Sicherheit erhöht. Zusätzliche elektronische Hilfen wie Nachtsichtgeräte können dagegen schnell zu einer Überforderung des Fahrers führen, der ohnehin an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit operiert.

Verschlimmert sich die Kondition des Fahrers allerdings weiter und ist Gefahr in Verzug, muss der behandelnde Arzt ein Fahrverbot aussprechen. "Dem nachzukommen, fällt vielen Betroffenen schwer", berichtet Lachenmayr. Häufig mangele es auch an Einsicht, vor allem bei Alzheimer-Patienten.

"Dann müssen Dritte wie Hausarzt und Familienangehörige mithelfen und Überzeugungsarbeit leisten", betont der Experte. Im Extremfall kann der Augenarzt bei den Behörden ein Fahrverbot vorschlagen, die dann den Entzug der Fahrerlaubnis veranlassen. (red, 29.9.2015)

  • Autofahren bei Nacht kann zur Gefahr werden.
    foto: dpa-zentralbild/patrick pleul

    Autofahren bei Nacht kann zur Gefahr werden.

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