Axel Springer lässt 400 Millionen Euro für "Business Insider" springen

29. September 2015, 13:20
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Amerikanische Business- und Technologie-Seite wandert zur Gänze ins Portfolio des deutschen Konzerns

Berlin – Kurz nach der gescheiterten Übernahme der "Financial Times" stemmt der Axel Springer Verlag einen anderen großen Zukauf auf dem angloamerikanischen Digitalmarkt. Die Berliner erhöhen ihren Anteile am US-Wirtschafts- und Nachrichtenportal Business Insider von rund neun auf etwa 97 Prozent und nehmen dafür 343 Millionen Dollar (rund 306 Millionen Euro) in die Hand. "Die Übernahme von Business Insider ist eindeutig der erste große Schritt in die englischsprachige Welt", sagte Springer-Chef Mathias Döpfner. Er sieht das Unternehmen weiter auf dem Weg zum führenden digitalen Verlag. "Wir sind die Nummer 1 in Europa und wollen darüber hinaus wachsen."

Durch die Übernahme erhöht der Herausgeber von "Bild" und "Welt" nach eigenen Angaben seine globale digitale Reichweite auf rund 200 Millionen Leser und steigt in den Kreis der sechs reichweitenstärksten Digital-Verlagen der Welt auf. Der 2007 gegründete Business Insider mit Sitz in New York und gut 325 Beschäftigten sei mit weltweit 76 Millionen Nutzern (Unique Visitors) monatlich eines der führenden Wirtschaftsportale. Zudem erreiche die Plattform über mobile Geräte und soziale Medien die wichtige Zielgruppe der 18- bis 34-Jährigen, sagte Döpfner. "Business Insider weiß, wo und wie sie Nachrichten lesen wollen."

Werbung und Bezahlangebote

Business Insider veröffentlicht selbst recherchierte Artikel und Texte von anderen Nachrichtenanbietern. Das Portal finanziert sich Springer zufolge vor allem über Werbung, aber auch über Bezahlangebote. "Wir hoffen, dass wir an dieser Front mehr machen können", sagte Döpfner. Gründer und Chefredakteur Henry Blodget und Julie Hansen, Chief Operating Officer und President, sollen Business Insider auch zukünftig in den aktuellen Funktionen leiten. Blodget geht davon aus, dass die Mediennutzung künftig immer mehr in die digitale Welt abwandert – also in soziale Netzwerke und ins Internet. Damit werde das Geschäftsmodell von TV-Sendern so unter Druck geraten wie es schon im Printbereich gewesen sei, sagte Blodget. "Wir glauben, dass uns das große Chancen eröffnet."

Business Insider ist neben den USA derzeit in sieben Staaten aktiv. Im vierten Quartal soll eine deutsche Ausgabe an Start gehen, Engagements in weiteren Ländern sollen folgen.

Der Kaufpreis beträgt den Angaben zufolge auf Basis von 100 Prozent von Business Insider 442 Millionen Dollar und beruht auf einer Bewertung von 390 Millionen Dollar. Diese Bewertung entspreche 343 Millionen Dollar für 88 Prozent der Anteile, die Springer nun zusätzlich übernehme. Der Deal soll vor Jahresende über die Bühne geben. Die übrigen rund drei Prozent hält künftig Amazon -Chef Jeff Bezos über eine Investmentfirma. (Reuters, 29.9.2015)

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