Wachmacher mit Suchtfaktor: Fakten und Kurioses zum Kaffee

1. Oktober 2015, 08:00
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Beethoven zählte akribisch seine Bohnen, mehr als acht Kilogramm verbraucht jeder Österreicher jährlich, und demnächst fliegt der Espresso ins All

Ohne ihn wäre der Start in den Tag für so manche müde Seele unvorstellbar. Er ist der vormittägliche Energiekick im Büro oder wappnet für abendliche Freizeitaktivitäten. Schon Ludwig van Beethoven wusste das Getränk zu schätzen und pflegte seinen Morgenkaffee aus genau 60 Kaffeebohnen aufzubrühen.

In Österreich ist Kaffee das beliebteste Getränk nach Wasser. Rund drei Tassen täglich wandern hierzulande in die (un)empfindlichen Mägen. Das sind im Jahr 8,3 Kilogramm pro Kopf. Anlässlich des Tags des Kaffees am 1. Oktober gibt es hier Kurioses und Faktisches zum Thema.

foto: reuters/jorge silva

Kaffeekreationen in Österreich

Kein anderes Land kennt laut dem Österreichischen Kaffeeverband so viele Zubereitungsvarianten für Kaffee wie Österreich. Vom Einspänner über den Franziskaner bis zum Maria-Theresia-Kaffee – mehr als 40 Kreationen sind hierzulande bekannt. Dazu kommen laufend neue. Klassiker wie Wiener Melange und der Kleine Braune werden im Kaffeehaus aber immer noch am liebsten bestellt.

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Der kleine Obermayer

Hermann Obermayer (1896–1960), ein Wiener Philharmoniker, trank seinen Mokka mit Sonderwunsch: mit kaltem Obers, das über einen umgedrehten Löffel gegossen wird. Nach ihm ist diese Kaffeevariation benannt.

Nährstoffe

Kaffee enthält nicht nur Koffein: Vor allem B-Vitamine sind auch nach der Zubereitung noch enthalten, etwa Vitamin B2 (Riboflavin) und Vitamin B6 (Pyridoxin). Außerdem noch Niacin und Panthotensäure. All diese Vitamine braucht der Mensch zur Energiegewinnung, für die Nerven, zur Blutbildung und für das Haut- und Haarwachstum. Auch der Eiweiß-, Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel wird davon angekurbelt. Ein weiterer für den Körper wichtiger Inhaltsstoff ist Magnesium.

foto: apa/epa/roland weihrauch

Nützliches Überbleibsel

Kaffeepulver ist auch nach dem Trinkgenuss noch zu gebrauchen: Aufgrund seines hohen organisch gebundenen Stickstoffgehalts taugt es gut als Dünger. Der hohe Gehalt an Kalium, Phosphor und anderen Mineralstoffen nützt der Pflanzenentwicklung. Getrockneter Kaffeesatz eignet sich auch als ökologisches Pestizid gegen Schnecken. Früher wurde der Kaffeesatz auch zum Reinigen der Nachtgeschirre und Fußböden benutzt. In Wien wird seit Juni eine urbane Kaffeesatzpilzzucht betrieben: große weiße Austernpilze fühlen sich dort wohl.

Kaffeemaschinen in Österreich

Der Großteil der österreichischen Haushalte besitzt mehr als nur eine Kaffeemaschine. Bei der Verwendung der Maschinen verdrängten Kapselmaschinen 2014 mit einem Anteil von 38,6 Prozent erstmals Filterkaffeemaschinen auf den zweiten Platz (38 Prozent). Dahinter folgten Vollautomaten (32 Prozent).

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foto: ap/lavazza
Space Espresso: Der Prototyp der sogenannten ISSpresso-Maschine von Lavazza and Argotec. Das Endprodukt ist die erste richtige Espressomaschine auf der Internationalen Raumstation. Die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti hat sie vor wenigen Monaten zum ersten Mal getestet.

Wie viel Koffein enthält welcher Kaffee?

Eine Kaffeebohne enthält zwischen 0,8 und 2,5 Prozent Koffein. Der Koffeingehalt in einer Tasse hängt von Bohnensorte, Menge und Zubereitungsart ab. Die Richtwerte:

  • Filterkaffee (150 ml) enthält rund 80 mg Koffein.
  • Espresso (50 ml) enthält 50 bis 150 mg Koffein.
  • Cappuccino enthält circa 27 mg Koffein.
  • Entkoffeinierter Kaffee (150 ml) enthält 1 bis 4 mg Koffein (vernachlässigbare Dosis).

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Welche Milch schäumt am besten?

Je höher der Eiweißgehalt, desto besser lässt sich Milch aufschäumen. Fett spielt als Geschmacksträger eine Rolle beim Aroma. Es ist damit wortwörtlich eine Geschmacksfrage, welche Milchvariante ausgewählt wird. Die Milch soll beim Aufschäumen am besten frisch und kalt sein. Zu stark erhitzte Milch lässt sich nicht mehr aufschäumen.

Was bedeutet V60?

Handfilter wurden in den vergangenen Jahren wiederentdeckt. Der V60 ist ein Keramikfilter mit unten weiterer Öffnung, als man es von den klassischen Filtermaschinen gewohnt ist. Weil sich die Flüssigkeit nicht so staut, wird sie auch nicht so bitter. Ein Trick für ein besonderes Aroma: Der papierene Filter wird vorher angefeuchtet und das Wasser danach in Kreisen über das Pulver gegossen.

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Was ist ein Flat White?

Ein Flat White enthält mehr Kaffee als der Cappuccino, ein bis zwei Einheiten Espresso. Der Schaum ist sehr feinporig, cremig und flach und nicht so hoch zur Haube aufgetürmt wie beim Cappuccino. Dafür wird die aufgeschäumte Milch in mehreren Lagen hineingegossen. Oben ziert den Schaum ein Latte-Art-Muster. Serviert wird der Flat White in einer Cappuccino-Tasse.

Wie war das mit Beethoven?

Ludwig van Beethoven trank seinen morgendlichen Kaffee mit 60 abgezählten Bohnen. Das entspricht in etwa der Menge von acht Gramm. So viel verwendet man heute für ungefähr die Zubereitung eines Espressos (als Richtwert gelten 50 Bohnen).

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Was ist ein Cold Drip?

Konzentrierter Kaffee, der auf Eis gegossen wird oder mit Wasser oder Milch gemischt wird. Cold Drip tröpfelt langsam und kalt durch einen feinen Filter. Bis zu sieben Stunden tropft der Kaffee in die Kanne eines Cold Dripper. Der Kaffee ist besonders aromatisch.

Was ist eine Aero Press?

Ein Filterkaffee, der manuell mit einem Brühzylinder aufgebrüht wird. Um den perfekten Geschmack zu erzielen, kommt es auf die Kaffeebohnen, den Mahlgrad und die Aufgussgeschwindigkeit an. Das Brühwasser kann auch direkt in eine Tasse gepresst werden. Die Presse wurde im Jahr 2005 von dem US-Amerikaner Alan Adler erfunden.

Die größten Kaffeeverbraucher im Job

Die britische Agentur Pressat hat untersucht, welche Berufsgruppen den meisten Kaffee trinken. Dazu wurden 10.000 Angestellte aus den unterschiedlichsten Branchen befragt. Das Ergebnis:

1. Journalisten und Medienschaffende
2. Polizisten
3. Lehrer
4. Bauarbeiter und Vertreter
5. Krankenschwestern und medizinisches Personal
6. Manager
7. Telefonverkäufer
8. IT-Servicemitarbeiter
9. Verkäufer
10. Taxifahrer

grafik: österreichischer kaffeeverband

(red, 1.10.2015)

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