Marcel Kollers Absage an den Schlendrian

29. September 2015, 13:02
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Der Teamchef hat den Kader für die EM-Quali gegen Montenegro und Liechtenstein nominiert. Schwab erstmals im Aufgebot

Wien – Eine wunderbare, nahezu kitschige Geschichte, die als Gruppensieger geschaffte Qualifikation für die EM in Frankreich, neigt sich dem Ende zu. Zweimal geht’s noch, am 9. Oktober kickt Österreichs Fußballteam in Podgorica gegen Montenegro, drei Tage später im vollen Happel-Stadion gegen Liechtenstein. Das ist dann eine Art rauschende Abschlussfeier, wobei Teamchef Marcel Koller davon ausgeht, "dass die Liechtensteiner zur Party nichts beitragen wollen. Wir müssen unsere Leistung bringen."

Am Dienstag hat der Schweizer den letzten Kader in diesem Bewerb nominiert, Überraschungen sind logischerweise ausgeblieben. Es wär auch fahrlässig, von der Linie, die steil nach oben führte, abzuweichen. Aufgrund einiger verletzter Mittelfeldspieler (Christoph Leitgeb, Veli Kavlak und Yasin Pehlivan fallen aus) wurde erstmals der Rapidler Stefan Schwab einberufen. Kollers Begründung: "Er ist auffällig gewesen." Es gehe darum, den 25-Jährigen zu begutachten. "Wie ist er als Mensch, wie präsentiert er sich, ist er in der Lage, uns weiterzuhelfen. Darauf will ich Antworten. Er soll sich ordentlich reinhauen." Schwab reagierte so, wie es sich für einen artigen Debütanten gehört: "Es ist eine große Ehre für mich. Ich weiß, es wird schwierig sein, die Mannschaft ist eingespielt und erfolgreich." Innenverteidiger Martin Hinteregger ist rekonvaleszent, ihn ersetzt Michael Madl.

Schlendrian offiziell abgesagt

Koller hat übrigens geirrt. Der 54-Jährige hatte mehrmals angekündigt, es werde in der Qualifikation mit Sicherheit auch Rückschläge geben. Ein Remis und sieben Siege waren aber ausschließlich Vorwärtsschritte, ja Vorwärtssprünge, das Team ist in keiner einzigen Partie in Rückstand geraten. "Manchmal irrt sich der Mensch gern." Es gehe nun darum, sich nicht zurückzulehnen. Koller vertraut seinen Burschen. "Sie sind weiter hungrig, niemals satt." Man wolle die Quali mit zwei Erfolgen abschließen, nicht zuletzt deshalb, um bei der EM-Gruppeneinteilung am 12. Dezember in Paris aus Topf zwei gezogen zu werden. "Das ist extrem wichtig, denn die Luft ganz oben wird immer dünner. Wir müssen eine Konstanz auf höchstem Level erreichen."

Der Schlendrian ist offiziell abgesagt. "Wenn wir locker lassen, schleicht sich etwas ein, was wir nicht wollen." Die Mannschaft sei, so Koller, zurecht gelobt, gestreichelt und geküsst worden. "Aber es darf keiner auf Wolke sieben schweben. Sollte das der Fall sein, hole ich ihn runter." Und Koller sagte, es gebe auch für die gestandenen Kräfte keinen Freifahrtschein. "Jeder muss sich in jedem Training beweisen."

Auf der Abrufliste stehen einige interessante Namen, sie harren ihrer Chance. Stefan Stangl, Robert Gucher, Michael Gregoritsch und Karim Onisiwo sind nur einige davon. "Optionen, die wir in Erwägung ziehen könnten." Wobei jene, die sich seit Jahren etabliert und bewährt haben, "natürlich einen Vorteil haben. Sie haben es verdient, nach Frankreich zu fahren. Ich werde auch gegen Montenegro mit den besten elf beginnen, wer das dann sein wird, ist reine Spekulation."

Der Kader trifft sich am Sonntagabend in Wien, am Montag wird erstmals trainiert. Koller hat mit dem ÖFB-Präsidenten Leo Windtner noch nicht über eine Vertragverlängerung gesprochen. "Ich habe ja noch einen Vertrag für zehn Monate, das eilt überhaupt nicht. Montenegro und Liechtenstein sind jetzt wichtiger." (Christian Hackl, 29.9.2015)

ÖFB-Kader:

  • Tor:
    Robert Almer (Austria Wien, 24 Länderspiele)
    Heinz Lindner (Eintracht Frankfurt, 7)
    Ramazan Özcan (Ingolstadt, 4)

  • Verteidigung:
    Aleksandar Dragovic (Dynamo Kiew, 40 Länderspiele/1 Tor)
    Christian Fuchs (Leicester, 69/1)
    György Garics (Darmstadt, 40/2)
    Florian Klein (Stuttgart, 30/0)
    Michael Madl (Sturm Graz, 0)
    Sebastian Prödl (Watford, 52/4)
    Markus Suttner (Ingolstadt, 14/0)
    Kevin Wimmer (Tottenham, 2/0)

  • Mittelfeld:
    David Alaba (Bayern, 39/10)
    Marko Arnautovic (Stoke, 45/8)
    Julian Baumgartlinger (Mainz, 39/1)
    Martin Harnik (Stuttgart, 53/13)
    Stefan Ilsanker (RB Leipzig, 10/0)
    Jakob Jantscher (Luzern, 18/1)
    Zlatko Junuzovic (Werder Bremen, 42/6)
    Stefan Schwab (Rapid, 0)
    Marcel Sabitzer (RB Leipzig, 13/2)

  • Sturm:
    Lukas Hinterseer (Ingolstadt, 6/0)
    Rubin Okotie (1860 München, 11/2)
    Marc Janko (Basel, 48/22)

  • Auf Abruf:
    Andreas Lukse (Altach, 0)
    Christopher Dibon (Rapid, 1/1)
    Stefan Lainer (RB Salzburg, 0)
    Stefan Stangl (Rapid, 0)
    Christopher Trimmel (Union Berlin, 3/0)
    Guido Burgstaller (Nürnberg, 7/0)
    Andreas Ulmer (RB Salzburg, 3/0)
    Robert Gucher (Frosinone, 0)
    Florian Kainz (Rapid, 0)
    Andreas Ivanschitz (Seattle, 69/12)
    Philipp Schobesberger (Rapid, 0)
    Karim Onisiwo (Mattersburg, 0)
    Louis Schaub (Rapid, 0)
    Andreas Weimann (Derby County, 14/0)
    Michael Gregoritsch (Hamburger SV, 0)
  • Marcel Koller:  "Manchmal irrt sich der Mensch gern."
    foto: apa/epa/pfarrhofer

    Marcel Koller: "Manchmal irrt sich der Mensch gern."

  • Bei Rapids 2:1 in der Europa League gegen Villarreal erzielte  Stefan Schwab jüngst den Ausgleich.
    foto: apa/neubauer

    Bei Rapids 2:1 in der Europa League gegen Villarreal erzielte Stefan Schwab jüngst den Ausgleich.

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