Volkswagen bleibt auf Großteil der Kosten sitzen

29. September 2015, 11:58
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Geschätzte Summe von 6,5 Milliarden Euro, nur ein Bruchteil von Versicherung gedeckt

Wolfsburg – Der Volkswagen-Konzern kann von den Milliardenkosten infolge des Abgasskandals nur einen Bruchteil von der Manager-Haftpflichtversicherung zurückholen. Die Deckungssumme der sogenannten D&O-Versicherung (Directors-and-Officers-Versicherung) dürfte kaum über einer halben Milliarde Euro liegen, sagte Michael Hendricks, Chef des Düsseldorfer D&O-Maklers Hendricks & Co, der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Laut dem Leiter der D&O-Versicherung des Maklers Aon in Hamburg, Marcel Roeder, liegt die Summe bei Dax-Konzernen häufig sogar nur bei 350 bis 400 Millionen Euro.

Selbst wenn das Unternehmen weitere Millionen direkt von verantwortlichen Managern hereinholt, bliebe die Summe damit weit unter dem von VW geschätzten Schaden von 6,5 Milliarden Euro. Zusätzlich drohen dem Konzern in den USA Strafzahlungen von bis zu 18 Milliarden US-Dollar (16,1 Mrd. Euro). Der Autobauer wollte sich zum Thema Manager-Haftpflicht auf Nachfrage nicht äußern.

Wissentliche Verstöße nicht abgedeckt

Die D&O soll Manager bei Verfehlungen und Versäumnissen gegen Schadenersatzforderungen ihres Arbeitgebers absichern. Gerade bei Großkonzernen können sich kleine Fehler an der Unternehmensspitze zu immensen Schäden auswachsen. Vorstände und Aufsichtsräte müssen bereits haften, wenn sie ihren Kontrollpflichten nicht ausreichend nachgekommen sind, auch wenn sie von den konkreten Vorfällen nichts wussten. Wissentlich verursachte Verstöße decken die Versicherungen jedoch nicht ab. Laut dem Aon-Experten Roeder ist auch die Erstattung von Bußgeldern rechtlich umstritten, da diese sonst ihre Wirkung verfehlen würden.

Der langjährige VW-Chef Martin Winterkorn ist am vergangenen Mittwoch wegen der Affäre um manipulierte Abgaswerte bei Dieselmotoren zurückgetreten. Der Konzern hatte zuvor einräumen müssen, dass weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge von den Manipulationen betroffen sind. Nach mehreren Strafanzeigen leitete die Braunschweiger Staatsanwaltschaft am Montag ein Ermittlungsverfahren gegen Winterkorn ein. Seinen eigenen Worten zufolge hat Winterkorn von den Tricksereien bei den Abgastests nichts gewusst. Bei VW läuft die Suche nach den Verantwortlichen. Das Unternehmen will sie für die Vorgänge zur Rechenschaft ziehen.

Internationale Reaktionen

Mittlerweile zieht die Manipulationsaffäre auch immer weitere internationale Kreise. So nimmt die japanische Regierung die Autohersteller ihres Landes in die Pflicht. Toyota, Nissan, Mazda und Mitsubishi sollten offenlegen, ob sich ihre Dieselfahrzeuge an die nationalen Emissionsvorgaben hielten, kündigte das japanische Verkehrsministerium am Dienstag in Tokio an. Neben japanischen Autobauern sollen auch die Importeure europäischer Marken bis Freitag berichten, ob auch ihre Autos mit der umstrittenen Software ausgestattet sind.

Raus aus Nachhaltigkeitsindizes

Unterdessen flog Volkswagen aus mehreren Aktienindizes, die auf "nachhaltige" Unternehmen ausgerichtet sind. So werde die Vorzugsaktie der Wolfsburger aus den sogenannten Sustainability-Indizes des Dow Jones für Europa und weltweit entfernt, teilten die Betreiber S&P Dow Jones Indices und RobecoSAM am Dienstag mit.

In ihren auf Nachhaltigkeit ausgelegten Kursbarometern sollen jeweils die Unternehmen einer Branche enthalten sein, die sowohl unter ökonomischen Gesichtspunkten als auch mit Blick auf ihre Umweltverträglichkeit sowie soziale Kriterien führend sind. Im Fall von VW habe man die Situation neu beurteilt, hieß es unter Verweis auf den Dieselskandal. Umgesetzt werden soll die Veränderung zum Handelsschluss in Frankfurt am 5. Oktober. (APA, Reuters, red, 29.9.2015)

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