Logomania: Kleine Marken ganz groß

Kolumne30. September 2015, 05:30
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Mit Schriftzügen versprechen Prestigelabels: Drauf steht, was drin steckt. Mittlerweile ziehen die unbekannten Namen nach

Es war einmal vor rund 30 Jahren. Alle, die nicht gerade auf Demos ihre Gesinnung auf Leintüchern und Plakaten spazieren führten, trugen Sweatshirts mit Markenschriftzügen über der Brust. Die hätten damals nicht groß genug sein können. Und sie riefen nichts als hohle materielle Phrasen, sie riefen Benetton, Esprit, Marc O'Polo oder Boss.

Angenehmer Nebeneffekt dieser Bekenntnisse auf der Brust? Der Verstand konnte an der Garderobe abgegeben werden, fürs eigene Image waren, na ja, Benetton, Esprit, Marc O'Polo und Boss zuständig. Irgendwann galt das alles als peinlich bis vulgär. Die aufgeblasenen Logos und Schriftzüge, sie schrumpelten auf ins Innere eingenähte Logos zusammen. Zurück blieb feines modisches Understatement, gemacht für Insider, die den Hersteller an Schnitten und Materialien ablesen mussten.

Kleine und große Marken

Heute, in der Zeit des Anything Goes, sind die Logos und Schriftzüge bei Versace und Moschino auch in diesem Herbst wieder da. Allerdings ist das noch längst nicht alles. Im steten Kampf um Aufmerksamkeit wollen viele kleine Marken und Designer das Feld nämlich nicht den großen Namen und den Sportartikelherstellern überlassen. Was sie tun? Sie adaptieren die Strategie der aufgeblasenen Schriftzüge. Und tragen augenzwinkernd ihren eigenen Namen zur Schau. Auch wenn der der Masse noch überhaupt nichts sagt: Filles à Papa, MSGM, Arthur Arbesser. Wer im Business mehr als überleben will, darf keine Scheu haben, ab und zu dick aufzutragen.

Das kann sich lohnen. Der Österreicher Arthur Arbesser, frischgebackener Designer bei Iceberg, hat für sein eigenes Label seit einiger Zeit T-Shirts und Sweater im Programm, die seinen Namen tragen.

Marta RULES!!! ❤️ @zura13

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Der Italiener Massimo Giorgetti? Hat es mit seinen selbstbewussten "MSGM Milano"-Schriftzügen immerhin zum kreativen Kopf bei Pucci gebracht.

Das belgische Label Filles à Papa? Hat mit seiner frechen Attitüde so manchem Einkäufer den Kopf verdreht.

FOREVER

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Und wir? Machen natürlich mit. Ist ja schließlich viel raffinierter, sich mit Insiderlabels und talentierten Newcomern zu schmücken.

Arthur Arbesser übrigens ist schon einen Schritt weiter. Er trug während der Mailänder Modewoche auch ein Markenbekenntnis. Das lautete anlässlich seiner ersten Kollektion für das Label Iceberg nicht Arbesser, sondern, eh klar, Iceberg – klingt ja jetzt auch nicht so schlecht. (Anne Feldkamp, 30.9.2015)

foto: apa/epa/del zennaro
Arthur Arbesser nach der Präsentation seiner ersten Kollektion für Iceberg.


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foto: matthias aschauer
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