Warum Oberösterreicher diesen Käse wählen: Leberkas-Pepi

29. September 2015, 12:12
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Wien ist nicht anders: die Leberkas-Pepi-Außenstelle im Selbstversuch

Die wahre Bosna kommt aus Salzburg, der wahre Leberkäse aus Linz. Axiom 1 wirkt mir Universaldilettanten historisch recht glaubwürdig entworfen. Axiom 2 erscheint mir als eher umstrittene These. Jedenfalls unter jenen, die noch nicht spätnachts zur – nicht ganz nüchternen – Betrachtung des Phänomens warme Blockextra an den zwei Linzer Standorten des Leberkas-Pepi eingekehrt sind.

Kollege Rohrhofer zum Beispiel hat diese Erfahrung für Schmeck’s schon recht hymnisch dokumentiert. Als ich mir erlaubte, einen anderen Leberkäse aus Oberösterreich nicht so schlecht zu finden, schrieb er erzürnt, atheistisch zusammengefasst: Du sollst keinen anderen Gott haben als den Pepi, was den Leberkäse anlangt.

foto: harald fidler

Von einer Gourmet-Kathedrale in der Linzer Rathausgasse kündete der Markus in seinem Wurst-Evangelium, und von einer "heißen Schnitte aus dem heiligen Schrein". Ein bisschen ungläubig reagierte ich dann doch auf Rohrhofers Predigt, wonach Spinat-Knoblauch-Leberkäse eine wahre Gaumenfreude wäre.

Nun verdanken wir den Oberösterreichern so gediegen benannte Speisen wie den Leberschädel (oder besser, wie ich inzwischen lernte: Leberschedl). Wie könnte ich solchen Menschen misstrauen, wenn es um’s Essen geht?

Die Lifestyleredaktion, der meine kleine, dreckige Kolumne zugemutet wird, wollte aber denn doch noch einen Befund über die allseits schon besprochene (und augenscheinlich recht gut frequentierte) Leberkaspepifiliale in Wien, der sich in der Sommerhitze des Fuffzehnerjahrs niemand widmen wollte.

foto: harald fidler
Die Leberkäse-Sauna in der Wiener Operngasse.

Ich darf berichten: Über dem recht eindrucksvoll schwitzenden Leberkäse-Aquarium eingeblendete Dramolette über Pepis Lebenswelt erschließen sich dem nüchternen Ostösterreicher nicht gleich in ihrer ganzen, vermutlich heiteren Semantik. Der Leberkäse als solcher freilich durchaus. Zumindest in acht bis zehn Anhaltspunkten:

1. Wo wir schon nüchtern betrachteten: Der Leberkäse ("Classic") wirkt meiner Lieblingstestesserin weniger fett, als in dieser Disziplin gewohnt. Wobei sie ja derzeit gern zum so genannten Neuburger greift.

2. Classic ist schon eine feine Sache. Weil ich aber in allen Wurstsemmelfragen die Betonung auf die erste Silbe lege und gern ein bisschen mehr Belag bestelle, ächzte die Liebste ein wenig. Dafür kann natürlich der Pepi nichts.

foto: harald fidler
Leberkäse, Classic

3. Ein bisschen salziger als andere wirkt der "Classic" schon, stimmte ich ihr zu, bevor sie über die Menge röchelte. Wobei: Nachts braucht man das gewiss genau so salzig.

4. Ich wiederum frage mich: Muss man Leberkäse wirklich so lange auf der Zunge nachspüren? Tut vermutlich eh jeder, und wahrscheinlich auch der sogenannte Neuburger, wenn man ihn warm und dick verputzt. Oder?

5. Ich auf die Schlichtheit bedachtes Gemüt hab den "Kas-Leberkas", den "Röstzwiebel-Leberkas" und den gebenedeiten "Spinat-Knoblauch-Leberkas" ausgelassen, und auch Pfeffer, Pikant, Chili, Pizza. Vielleicht ein Fehler.

6. Interessant fand ich, dass vor dem Pferde-Leberkas und dem Puten-Leberkas der Bauern-Leberkas in der Karte steht.

foto: harald fidler
Ein Pferd kehrt heim.

7. Ich entschied mich dennoch aus Sentimentalität für das Pferd. Offenbar wird der Pferdekas nicht oft bestellt oder sehr oft oder es war einfach Zufall an diesem Freitagnachmittag, dass der Huftierblock noch unbeschnitten war. Nein, ich hab nichts gegen Scherzel oder Anschnitt oder wie immer man dazu in Linz sagt.

8. Das Pferd nun ist hier in verkäster Form in der Tat ein Grund, gelegentlich fremdzugehen von Gumprecht und anderen Experten der galoppierenden Brühwurst. Vom Bauern vermag ich das leider nicht zu sagen.

9. Würde ich für dieses, wohl auch anschnittbedingt recht intensive Pferd nach Linz reiten? Eher nein.

10. Aber es gibt den Pepi ja nun auch in Wien. Übrigens, wie schon Kollege Rohrhofer erwähnte: Wenn der Gast kreativ wählen möchte, wird er durchaus ernst und womöglich gar ins Sortiment genommen. Ich vermute ja, dass der Markus diesen Spinat-Knoblauch-Leberkas kreiert hat. Und in diesem Verb steckt ein anderes, das dieser Kreation womöglich gerecht wird, fällt mir gerade auf. (Harald Fidler, 29.9.2015)

Leberkas-Pepi in der Wiener Operngasse

Drei ordentlich belegte Semmeln, davon zwei Classic, ein Pferd: 10,35 Euro.

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