Forscher manipulieren Empathie im menschlichen Gehirn

29. September 2015, 17:35
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Wissenschafter zeigten kürzlich, dass Schmerzmittel die Empathie reduzieren. Durch Blockierung von Opiatrezeptoren konnte dies wieder rückgängig gemachten werden

Wien – Spürt jemand weniger Schmerzen, zeigt er auch weniger Empathie. Das konnten Wiener Forscher um den Neuropsychologen Claus Lamm kürzlich in einer im "Journal of Neuroscience" veröffentlichten Studie belegen. Im Fachjournal "PNAS" berichten sie nun über einen weiteren Schritt: Durch das gezielte Blockieren von Opiatrezeptoren im Gehirn schalteten sie das gehemmte Einfühlungsvermögen wieder ein.

In ihrer Ausgangsuntersuchung erhielten die Studienteilnehmer kurze Elektroschock-Impulse. Wer meinte, ein Schmerzmittel erhalten zu haben, zeigte sich weniger empathisch, wenn er Schmerzen bei anderen Studienteilnehmern beobachtete. Dabei benutzten die Forscher allerdings keine echten Schmerzmittel, sondern nur Placebos, die trotzdem nachweislich die Schmerzaktivität des Gehirns herabsetzen. Die Wissenschafter aus Österreich, Schweden und Italien nehmen an, dass der sogenannte "Placeboempathie-Effekt" auch bei echten Schmerzmitteln auftritt, da diese im Prinzip auf ähnliche Weise auf die Opiatrezeptoren wirken.

Pharmakologische Blockade

In ihren damaligen Analysen zeigte sich ein enger neuronaler Zusammenhang zwischen eigener Empfindung und Empathie. Es waren bei der Beobachtung von Schmerzen also weitgehend die gleichen Gehirnareale aktiv, wie wenn die Teilnehmer selbst Schmerz empfanden. Im Rahmen der neuen Untersuchungen konnten die Wissenschafter mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) noch genauer beobachten, welche Gehirnareale besonders aktiv sind.

Zusätzlich blockierten sie mit einem Medikament bei 50 Versuchspersonen die Opiatrezeptoren, und damit wiederum den "Placeboempathie-Effekt". "Die Empathie normalisierte sich dann wieder", erklärte Lamm, die Teilnehmer zeigten wieder mehr Mitgefühl mit anderen. "Durch diese pharmakologische Manipulation können wir wesentlich exakter sagen, dass diese Veränderungen wirklich etwas mit dem Opiatsystem zu tun haben – das ist ein entscheidender Fortschritt."

Man halte nun noch mehr Hinweise in Händen, dass Empathie schmerzähnliche Prozesse im Gehirn aktiviert, die denen bei selbst empfundenem Schmerz ähnlich sind. In zukünftigen Untersuchungen wollen die Forscher Probanden tatsächlich sehr geringe Dosen an Schmerzmitteln verabreichen, um dann zu analysieren, ob sich die Empathie erneut reduziert. (APA, red, 28.9.2015)

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