Metaller: Arbeitgeber blitzen bei der Regierung ab

28. September 2015, 14:06
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Knackpunkt sechste Urlaubswoche

Wien – Pattsituation bei den Kollektivvertragsverhandlungen in der Maschinen- und Metallwarenindustrie: Die Industrie hatte die Gespräche vorigen Donnerstag noch vor der ersten Verhandlungsrunde unterbrochen und forderte eine klare Aussage der Regierung zur etwaigen 6. Urlaubswoche für alle (nach 25 Jahren Arbeit). Erst dann könne weiterverhandelt werden. Diese Klarstellung wird aber nicht erfolgen.

Den von Christian Knill, Obmann des Fachverbandes der Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI), gewünschten Gesprächstermin mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) diese Woche gibt es nicht, so ein Sprecher des Ministers zur APA. Die Kollektivvertragsverhandlungen seien Sache der Sozialpartner, da mische sich die Politik in guter Tradition nicht ein, betonte der ehemalige ÖGB-Chef Hundstorfer.

Ebenfalls angefragt hat Knill bei Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), dort kennt man die Terminanfrage aber noch nicht.

Damit ist offen, ob – wie geplant – am kommenden Montag die erste Verhandlungsrunde startet. Für die Industrie wird es jedenfalls am Montag nicht mehr Klarheit geben als vorigen Donnerstag. Der jetzige Kollektivvertrag für die 120.000 Beschäftigten der Maschinen- und Metallwarenindustrie gilt noch bis Ende Oktober. Kommt bis dahin kein neuer KV zustande, bedeutet dies einen Realllohnverlust für die Mitarbeiter, da ihr Einkommen gleich bleibt während die Inflation voranschreitet. Im Schnitt waren in den vergangenen Jahren vier Verhandlungsrunden für eine KV-Einigung erforderlich.

Arbeitnehmervertreter erhöhen Druck

Die Arbeitnehmervertreter erhöhen jedenfalls schon am Dienstag mit einer bundesweiten Betriebsrätekonferenz in Wien den Druck auf die Arbeitgeber. In der Wiener Stadthalle werden mindestens 1.000 Betriebsräte erwartet. Eine Betriebsrätekonferenz ist die unterste Eskalationsstufe im Arbeitskampf. Als nächste Stufe würden Betriebsversammlungen in den Unternehmen folgen.

Derzeit steht die 6. Urlaubswoche nach 25 Jahren Arbeit nur jenen Beschäftigten zu, die die 25 Jahre in ein und demselben Betrieb zugebracht haben. Im Zuge der von der Wirtschaft geforderten Flexibilität der Arbeitnehmer sind dies aber immer weniger. Daher fordert die SPÖ in ihrem industriepolitischen Papier die 6. Woche für alle, die seit 25 Jahren arbeiten. (APA, 28.9.2015)

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