Goldene Muschel an isländisches Sozialdrama "Sparrows"

26. September 2015, 22:26
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Stephan Richters österreichischer Festivalbeitrag "Einer von uns" geht im "New Directors"-Wettbewerb leer aus

San Sebastian – Das isländische Sozialdrama "Sparrows" von Runar Runarsson ist am Samstagabend auf dem 63. Internationalen Filmfestival von San Sebastian mit der "Goldenen Muschel" als bester Festivalbeitrag ausgezeichnet worden. Der Österreicher Stephan Richter ging mit "Einer von uns" im "New Directors"-Wettbewerb leer aus.

In auffällig vielen Filmen standen in diesem Jahr Jugendliche im Zentrum der Geschichten, die versuchen, ihren Platz in einer aus den Fugen geratenen Welt zu finden. Runarsson gelang es jedoch zweifellos am eindrucksvollsten.

Trostlose Welt

Langsam, ruhig, aber gleichzeitig schonungslos erzählt Runarsson die Geschichte vom 16-Jährigen Ari. Seine Eltern sind geschieden. Als sich seine Mutter mit ihrem neuen Freund auf eine lange Afrikareise begibt, schickt sie Ari aus der Hauptstadt Reykjavik zu seinem Vater in einem entlegenen Dorf an der Westküste Islands. Der Teenager taucht aus seiner urbanen, heilen Umgebung plötzlich in eine dörfliche, trostlose Welt mit einem alkoholkranken Vater, Drogen und Gewalt zwischen Jugendlichen ein.

Im "New Directors"-Wettbewerb setzte sich der französische Regisseur Rudi Rosenberg mit seinem Teenager-Problemfilm "Le Nouveau" (The new kids) zurecht gegen Stephan Richters österreichischen Festivalbeitrag "Einer von uns" durch. Das Regiedebüt des in Wien lebenden Dresdners feierte in San Sebastian seine Weltpremiere und läuft am 20. November in den österreichischen Kinos an.

Der Streifen basiert auf der wahren Geschichte des 14-jährigen Teenagers Florian P., der 2009 bei einem nächtlichen Einbruch in einen Supermarkt im Kremser Vorort Lerchenfeld in Niederösterreich von einem Polizisten von hinten erschossen wurde. In dem Film geht es um die Art und Weise, wie eine Gesellschaft mit ihren Kindern umgeht. "Sie sagt sehr viel über den Zustand dieser Gesellschaft aus und wenn Kinder erschossen werden, ist irgendetwas kaputt in dieser Gesellschaft", erklärte Stephan Richter am Rande des Festivals im APA-Gespräch.

Auch der in Kanada lebende österreichische Regisseur Hans Christian Berger war mit seinem ersten Langspielfilm "After Eden" im Rennen des mit 50.000 Euro dotierten "New Directors"-Wettbewerb.

Unterdessen ging die Auszeichnung für die "beste Regie" an den belgischen Filmemacher Joachim Lafosse für seinen Streifen "Les Chevaliers blancs", der die mitreißende Geschichte einer NGO erzählt, die versucht, 300 Waisenkindern aus den Bürgerkriegswirren des Tschad zu retten.

Wenn jemand am Samstagabend auf dem Festival jedoch eine Auszeichnung verdiente, dann waren es der Argentinier Ricardo Darin und der Spanier Javier Camara für ihre grandiose Leistung in der herzzerreißenden Tragikomödie "Truman" des Spaniers Cesc Gay. Die beiden Ausnahmeschauspieler erhielten zurecht gemeinsam die "Silberne Muschel" für die beste männliche Darstellung.

Virtuos wechselten sie in dem Sterbe-Drama zwischen tiefer Trauer, glänzendem Humor, Verzweiflung, Sarkasmus und Sentimentalität, in einer einfühlsamen Geschichte von Freundschaft, dem Sinn des Lebens und dem Sterben.

Unterdessen ging der Preis für die beste weibliche Darstellerin an die kubanische Schauspielerin Yordanka Ariosa für ihre beeindruckende Leistung in dem harten Sozialdrama "The King of Havana".

Die Auszeichnung für das "beste Drehbuch" wurde in der nordspanischen Küstenstadt an die französischen Filmemacher Jean-Marie und Arnaud Larrieu für "21 nuits avec Pattie" vergeben. Manu Dacosse erhielt den Fotografie-Preis für den französischen Festivalbeitrag "Evolution" von Lucile Hadzihalilovic, der zudem mit dem diesjährigen Jury-Preis ausgezeichnet wurde.

Bereits am Freitagabend wurde die britische Schauspielerin Emily Watson in San Sebastian mit dem Festival-Sonderpreis "Premio Donostia" für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Hollywood-Star Julianne Moore, die eigentlich für den zweiten "Premio Donostia" vorgesehen war und mit Peter Solletts Sterbedrama "Freeheld" im offiziellen Wettbewerb vertreten war, konnte wegen Dreharbeiten nicht nach San Sebastian reisen.

Auch "Harry Potter"-Star Emma Watson und Ethan Hawke kamen aus Termingründen nicht zur Weltpremiere von Alejandro Amenabars Psycho-Thriller "Regression", der am 18. September das Festival eröffnete.

Dennoch begeisterten Stars wie Sienna Miller, Ellen Page, Benicio del Toro, Emily Blunt oder Tim Roth auf dem den roten Teppich am Golf von Biskaya. San Sebastian gehört neben Berlin, Cannes und Venedig zu den großen europäischen Filmfestivals. (APA, 26.9.2015)

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