Wenn Dichand pfeift, dann spurt der ORF

26. September 2015, 10:33
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Wie Zivilgesellschaft und "Krone" zusammengehen sollen, konnte der "Falter" nicht wirklich erhellen

Na so was! SPÖ, Zivilgesellschaft, Kirche und "Krone" finden in der Asylkrise zueinander, glaubte der "Falter" diese Woche auf seinem Cover zu erkennen. Also, SPÖ, Kirche und "Krone", das ist ja eine alte Bande, aber wie Zivilgesellschaft und "Krone" zusammengehen sollen, konnte die Stadtzeitung nicht wirklich erhellen. Kardinal und Bürgermeister schritten am Ende ihrer Reden – gehalten anlässlich der Eröffnung eines Asylheims in Rudolfsheim – zum Tischfußball. Die roten Figuren, gedreht von Michl Peppone, besiegten die blauen Spieler von Don Camillo Schönborn: eins zu null. Natürlich war das alles auch eine Wahlkampfinszenierung – no na! -, die Fotos der wuzelnden Würdenträger zierten am nächsten Tag das Cover der "Krone". Titel: Wuzzel-Duell mit Gottes Segen. Als wären die beiden Spieler Amateure, die für Gottes Lohn wuzeln!

Der "Falter" wollte Fehldeutungen erst gar nicht aufkommen lassen. Aber eine Heuchelei, wie manche Journalisten auf Facebook höhnten, war es nicht. Selbstverständlich sind solche Bilder in Tagen wie diesen ja nicht. Man könnte während des angeblich tobenden "blau-roten Duells" ja ganz andere Töne erwarten.

Selbstverständlich ist ein Bild ihres wuzelnden Kolumnisten für die "Krone" immer, egal, wer mitwuzelt, alles andere wäre unverständlich, und was die ganz anderen Töne betrifft, so fehlt es in der "Krone" daran nicht, wie oberflächlichste Lektüre offenbart. Wie weit da die Zivilgesellschaft und das Kleinformat zueinander finden, erschließt sich aus ihrem Programm in keiner Weise. Da gibt es einige Kolumnisten, deren Aufgabe es ist, die "Krone" an der Zivilgesellschaft nicht allzu sehr anstreifen zu lassen.

"Seitenblicke"

Allen voran der wackere Freiheitliche, den sich das Blatt als sonntäglichen Chefideologen herangezogen hat und für dessen Würdigung Anfang der Woche sogar in den Seitenblicken ein paar Minuten freigehalten wurden. Wenn Dichand pfeift, dann spurt der ORF. In dieser Sendung tummeln sich ja viele absonderliche Spielarten des Homo austriacus, insofern war der Auftritt des Rechtsanwalts und "Krone" -Kolumnisten Dr. Tassilo Wallentin, abgefedert durch ein mildes Lächeln seines Herausgebers, keine Überraschung. Der ORF wusste, was er schuldig war, hatte er doch schon am Freitag zuvor aus dem Blatt erfahren, was Sache war. Tiefgründig, humorvoll und respektlos gegenüber dem Zeitgeist. Anwalt und "Krone"-Kolumnist Tassilo Wallentin legt den 2. Band seines Bestsellers vor, die Chronologie der beliebten und von vielen Lesern gesammelten "Offen gesagt"-Kolumnen.

Humor ist natürlich Glücks- und Geschmackssache. Bei Wallentin feiert er Triumphe, wenn der etwa im Kampf gegen den Genderwahnsinn fordert, in den gegenderten Strafmandaten müsste eigentlich "vom Lenkerich/von der Lenkerin" die Rede sein, widrigenfalls die Männer diskriminiert werden, da es für sie keine geschlechtsspezifische Anrede mehr gibt. Auch sonst gibt der Rechtsanwalt treudeutsch eins zu eins die jeweils heißen Anliegen der FPÖ wieder, was man gelegentlich unter respektlos, aber nur in der "Krone" als tiefgründig durchgehen lassen kann.

Abgründig hingegen die Berichterstattung des Blattes über den Höhepunkt einer Amerikareise unseres Lebensministers. Dieser verlängerte die allmählich unendlich anmutende Reihe österreichischer Politiker, die Arnold Schwarzenegger mit einer Hingabe die Hand schütteln, als ginge von ihr heilende Wirkung aus. Amerika ohne Schwarzenegger, das geht nicht, schon gar nicht für die "Krone".

"Action" hieß es in Sachen Klima für Österreichs Umweltminister Andrä Rupprechter bei seiner Arbeitsreise durch die USA. Mit unserer steirischen Eiche traf der Tiroler eine umweltpolitische Größe. Worin die "Action" oder der Reisezweck Arbeit bestand, war daneben nicht mehr wichtig, hieß es doch: Mit dem "Terminator" im Umweltkampf an der Seite kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen. Das Foto mit dem umwelthistorischen Händedruck stellte das BMLFUW bei.

Schön war die Erkenntnis, dass es doch noch Gerechtigkeit gibt, vermittelt in "Heute" von Dienstag. Heute Feier im FP-Parlamentsklub. Ursula Stenzel – Bezirksvorsteherin in Wien und neue, blaue Wahlkämpferin – wird von der FP-Spitze umgarnt: Anlässlich ihres 70. Geburtstages laden sie heute FP-Parteiobmann Strache und der Dritte Nationalratspräsident Hofer ein. Wozu, blieb offen. Neidisch könnte man werden, bei der Umgarnung. (Günter Traxler, 26.9.2015)

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