Karl-Markus Gauß: Reisender und Schatzsucher

25. September 2015, 15:22
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Der Autor präsentiert sein neues Buch "Der Alltag der Welt" im Salzburger Literaturhaus: Schriften gegen den Zeitgeist

Salzburg – Den Salzburger Publizisten, Schriftsteller und Essayisten Karl-Markus Gauß kennt und schätzt man vor allem für seine Reisereportagen, in denen er von den Rändern Euro-pas und deren Minderheiten erzählt. Im sogenannten Fremden versucht der elegante Stilist ein besseres Bild von sich – respektive uns – zu finden.

Es sind eine geistige Ruhelosigkeit und Aufgeschlossenheit, eine Lust auf Orts- und Gedankenveränderung, welche die Gauß'schen Texte generell auszeichnen. Daneben hat der unermüdliche Autor bereits mehrere Journale verfasst, in denen er seine persönliche Chronik unserer Zeit zu Papier bringt.

Es sind Gegenschriften wider den Zeitgeist, die in seinem neuesten Werk Der Alltag der Welt (Zsolnay-Verlag) die Zeit zwischen dem Mai 2011 und dem Frühjahr 2013 kritisch beleuchten. Und zwar in Form erzählerischer Miniaturen, kurzer Glossen und philosophischer Anmerkungen oder literarischer Porträts und kulturkritischer Widerreden, in denen natürlich aktuellen Themen entsprechend viel Platz gewidmet ist. Etwa der Notwendigkeit, dass die EU von der Wirtschafts- zur Sozialunion werden müsse, um so ihren Zerfall zu verhindern. Falls dieser doch eintrete, so Gauß, würde der Krieg nach Europa zurückkehren.

Doch Gauß schreibt auch gegen die momentane Flüchtlings- und Asylpolitik Österreichs an, die sich an vielleicht 30 Prozent der Bevölkerung orientiere – und zwar an jenen, die "von rabiaten Ängsten und Phobien" gebeutelt werden. Die Situation in Traiskirchen war schon vor einigen Jahren eine Schande und eine Schmach für Österreich.

Ein anderer Eintrag ist einem Zukunftsprojekt des Autors gewidmet: Unter dem Titel Österreich, Rebellenland möchte Gauß an vergessene oder totgeschwiegene Autoren erinnern, weiters an niedergeschlagene und gescheiterte Revolten, von denen doch "deren Kühnheit zu rühmen bleibt". Der Koherausgeber der Literaturzeitschrift Literatur und Kritik will irgendwann auch die Texte eines Johannes W., von dem bislang noch nie etwas öffentlich erschienen ist, publizieren. Darauf kann man schon gespannt sein. Zuvor sollte man am Montag die Lesung des Schatzsuchers Gauß aus Der Alltag der Welt und das folgende Gespräch (Moderation: Tomas Friedmann) nicht versäumen. (Gerhard Dorfi, 26.9.2015)

28. 9., Literaturhaus, 19.30

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Literaturhaus Salzburg

  • "Ich werde ganz getreu bei meinen Erinnerungen bleiben, um meine Kindheit neu zu erfinden."  Der Philosoph  und Schriftsteller Karl-Markus Gauß.
    foto: urban

    "Ich werde ganz getreu bei meinen Erinnerungen bleiben, um meine Kindheit neu zu erfinden." Der Philosoph und Schriftsteller Karl-Markus Gauß.

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