Kunst und Kapital: Mäuse, Kröten, Kohle und die liebe Kunst

25. September 2015, 15:52
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Nicht alle, aber doch einige Galerien sind beim Thema von "curated by" geblieben: der Liaison von Geld und Kunst

Die bildende Kunst ist mit dem Kapital eng zusammengewachsen: Sie ist Spekulationsobjekt, exklusive Wertanlage und Imageträger für Großkonzerne und Banken. Die Galerien sind Teil dieses Systems, was sie nicht wirklich zu den vertrauenswürdigsten Experten zum Thema "Kunst und Kapital" macht. Um die Aufdröselung dieser Liaison geht es allerdings in Armen Avanessians Essay Tomorrow Today, dem impulsgebenden Text für das Galerienprojekt "curated by".

Das etwas irreführende Motto sorgte bisweilen für sehr freie Assoziationen. Einige Teilnehmer beschäftigten sich allerdings tatsächlich mit Zukunftsmodellen zur Überwindung der Verbindung zwischen Kunst und Geld. Weitergedacht hat diese Idee, die ebenso provokant wie naiv klingt, aber streng genommen nur eine Galerie.

Als Gruppe Cointemporary haben bei Christine König Valentin Ruhry und Andy Boot eine WLAN-Box installiert, die die Besucher per Handy auf ihre Webseite führt. Dort wird eine Auswahl zeitgenössischer Werke angeboten, die man ausschließlich mit Bitcoins erwerben kann. Das macht den Galerienbesuch zwar nur halb so spaßig, ist aber insofern bemerkenswert, als hier eine Galerie Künstler über alternative Distributionswege nachdenken lässt.

Aus einer ganz anderen Perspektive hat sich Harald Falckenberg über die Verkaufsstrategien von Galerien Gedanken gemacht: Der bekannte Sammler geht davon aus, dass man heute in Ausstellungen deshalb keine Labels mehr sieht, weil man Interessierte so leichter in Verkaufsgespräche verwickeln kann. Unter dem Titel Verkauf in Nebenräumen dreht er in den Krinzinger Projekten den Spieß um und zeigt Labels ohne Werke: "Marina Abramovic, The Family XI, 2006" steht dort auf einem der vielen Labels, die allesamt auf hochkarätige Künstler hinweisen.

Die kritische Absicht verhindert aber leider nicht, dass in den leeren Ausstellungsräumen die Exklusivität der Gegenwartskunst umso deutlicher wird. Und eher witzig als kritisch war wohl auch die schamanistisch-spirituelle Reinigung der Galerie Senn gedacht.

Frischzellenkur für Galerien

Dabei haben sich gerade die Künstler von jeher mit der Diskrepanz zwischen der Freiheit der Kunst und ihrer Warenlogik befasst: Bei "curated by" machen das – dem zukunftsorientiert anmutenden Motto "Tomorrow Today" beinahe zum Trotz – vor allem die konventionelleren Präsentationen deutlich. Repräsentativ ist dafür etwa eine Arbeit der Künstlergruppe Little Warsaw in der Galerie Kargl, die in einer Vitrine eine vergoldete Ähre zeigt. Bezahlt wurde das Gold von einem Sammler, der zwar nicht mehr der Besitzer des mittlerweile viel teureren Werkes, aber noch immer Eigentümer des Rohmaterials ist. Wie spekulativ der Kunstmarkt zum Teil agiert, thematisiert dort außerdem das belgische Duo Vermeir & Heirmans, von dem man in der Galerie erstmals ein Video zeigt.

Solche neuen Positionen, von internationalen Kuratoren nach Wien gebracht, machen "curated by" maßgeblich aus. Schön zu sehen ist das auch an der Schau It's Money Jim, but not as we know it in der Galerie Mauroner. Katarina Gregos stellt das Geld selbst in den Mittelpunkt, und zwar sowohl seine Anziehungskraft als auch seine Funktion. Um den Umlauf des Geldes geht es in einem Video Iván Argotes, der in der Pariser Metro eine Münze zu verschenken versucht.

Während die Kuratorin mit dem halsbrecherischen Monopoly-Spiel von Lina Theodorou an Tagespolitisches anknüpft, macht die Ausstellung in der Galerie nächst St. Stephan deutlich, dass die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Kapital in die Geschichte zurückgeht.

Kolja Reichert zeigt Arbeiten von KP Brehmer, der sich in den 1960er-Jahren der grafischen Darstellung von Zusammenhängen zwischen Kapital, Macht, Ideologie und Repräsentation gewidmet hat. Weiters sind Arbeiten von Franz Erhard Walther, Heinrich Dunst oder Renzo Martens zu sehen, die diesbezüglich nicht ganz so direkt vorgehen – ihren Betrachtern in Bezug auf repräsentationskritische Fragen aber ebenfalls einiges zum Nachdenken mitgeben. (Christa Benzer, Album, 25.9.2015)

Christine König Galerie: 4., Schleifmühlgasse 1A; Krinzinger Projekte: 7., Schottenfeldgasse 45; Gabriele Senn Galerie: 4., Schleifmühlgasse 1A; Galerie Georg Kargl: 4., Schleifmühlgasse 5; Galerie Mario Mauroner: 1., Weihburggasse 26; Galerie nächst St. Stephan: 1., Grünangergasse 1. "Tomorrow Today" bis 17. 10.

Link

Curated by

  • Angriff der Killer-Banknoten: "SWARM" (2006) von Tom Molloy in der Galerie Mauroner.
    foto: courtesy of rubicon gallery dublin

    Angriff der Killer-Banknoten: "SWARM" (2006) von Tom Molloy in der Galerie Mauroner.

  • Anti-Hochglanz: Franz Erhard Walthers "Rolls Royce" (1958), Galerie nächst St. Stephan.
    foto: alexander koch

    Anti-Hochglanz: Franz Erhard Walthers "Rolls Royce" (1958), Galerie nächst St. Stephan.

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