Fledermäuse "pumpen" mit ihren Zungen Nektar aus den Blüten

26. September 2015, 09:13
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Deutsche Wissenschafter haben eine bisher unbekannte Trink-Technik entdeckt

Ulm – Um an den Nektar aus Blüten zu gelangen, sind einige Fledermäuse in der Lage, ihre ihre Zungen trickreich einzusetzen. Deutsche Wissenschafter haben bei Fledermäusen aus Mittelamerika nun erstmals beobachtet, dass sie ihre Zungen wie eine Art Förderband verwenden.

Bei ihren Forschungen beobachtete das Team um Marco Tschapka vom Institut für Evolutionsökologie und Naturschutzgenomik an der Universität Ulm die Fledermäuse mit Hochgeschwindigkeitskameras. So konnten sie die nachtaktiven Säuger bei der Nahrungsaufnahme in einem Flugkäfig auf einer Forschungsstation des Smithsonian Tropical Research Institutes in Panama unter die Lupe nehmen. Als Blüten-Attrappen benutzten sie mit Honigwasser gefüllte Glasröhrchen.

Nektar aufwischen...

"Die meisten Blumenfledermäuse nutzen ihre Zunge wie eine Art Wischmopp", sagt Professor Tschapka. Dabei stehen die kleinen Säuger im kurzen Schwirrflug vor einer Blüte in der Luft und lecken sie mit ihrer Pinselzunge aus. Diese ist mit haarähnlichen Papillen besetzt. Wenn sie ihre Zunge in die süße Flüssigkeit tunken und danach wieder in den Mund zurückziehen, bleibt zwischen den Papillen etwas Nektar kleben, den sie dann verschlucken. Während eines weniger als eine Sekunde dauernden Blütenanflugs taucht die Zunge vier bis sechs mal tief in die Blüte ein.

Doch jetzt beschreiben Tschapka und seine Kollegen im Fachjournal "Science Advances" eine bisher völlig unbekannte Form der Nektaraufnahme: Neben dem üblichen Auslecken der Blüten mittels der Papillen beobachteten die Forscher Arten, die ihre Zunge wie eine Art Förderband einsetzen. Schon seit einiger Zeit sei bekannt, dass eine Gruppe dieser Fledermäuse keine derart behaarte Zunge habe, so der Biologe. "Dafür weist ihre Zunge seitliche Kanäle auf, deren Funktion bisher unbekannt war."

... oder in den Mund pumpen

"Die Zungenspitze wird hier zu Beginn des Trinkvorgangs in den Nektar getaucht und bleibt während des gesamten Anflugs in Kontakt mit der Flüssigkeit", schilderte die Biologin Mirjam Knörnschild. Verformungen der seitlichen Kanäle deuteten darauf hin, dass die Fledermäuse den Nektar mittels Pumpbewegungen der Zunge in ihr Maul saugen. "Es ist bisher kein Säugetier mit einem solchen Trink-Mechanismus beschrieben worden", sagt Tschapka.

Beide Methoden – sowohl der Einsatz der Zunge als Wischmopp als auch als Förderband – zeigten sich den Forschern zufolge als nahezu gleichermaßen wirkungsvoll. Jedoch vermuten die Wissenschafter, dass die Fledermäuse, die ihre Zunge als Pumpe nutzen, einen Vorteil haben, wenn es darum geht, an den Nektar von Blüten mit größeren Nektartropfen zu kommen, während die Pinselzungen für das Einsammeln von kleinen, in der Blüte verteilten, Nektartröpfchen geeigneter sind.

Die Ausbildung der unterschiedlichen Trink-Techniken führen die Ulmer Wissenschafter auf eine Parallelentwicklung zurück: Die Vorliebe der Blumenfledermäuse für Nektar habe sich im Laufe der Evolution zwei Mal unabhängig voneinander entwickelt – und dabei vollkommen verschiedene Mechanismen der Nektaraufnahme perfektioniert. (APA/red, 26.9.2015)

  • Eine Fledermaus der Spezies  Lonchophylla robusta an einer Bromelienblüte. Die trickreiche Methode, mit der die Fledermaus den Nektar aus der Blüte holt, hat die Wissenschafter überrascht.
    foto: m. tschapka/university of ulm

    Eine Fledermaus der Spezies Lonchophylla robusta an einer Bromelienblüte. Die trickreiche Methode, mit der die Fledermaus den Nektar aus der Blüte holt, hat die Wissenschafter überrascht.

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