Komplexe, rot leuchtende Sternfabrik mit vielen Namen

26. September 2015, 20:46
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Die Europäische Südsternwarte veröffentlichte bislang unerreicht detailreiches Bild des Emissionsnebels Messier 17

Garching – Seine offizielle Bezeichnung, die er dem französischen Kometenjäger Charles Messier verdankt, lautet Messier 17, doch man kennt den rosaroten Nebel unter vielen Namen. Genau genommen wurden der Sternentstehungsregion im Laufe der Zeit mehr Namen verliehen als jedem anderen Objekt dieser Art. Zu seinen bekanntesten Bezeichnungen zählen Omeganebel, Schwanennebel, Hufeisen-Nebel und – damit nicht die zu kurz kommen, die eher eine maritime Neigung haben – Hummernebel.

Die Europäische Südsternwarte ESO hat nun eine der detailreichsten Aufnahmen veröffentlicht, die Messier 17 in seiner Gesamtheit zeigt. Sie macht nicht nicht nur seine volle Größe sichtbar, sondern hält auch feine Details über die gesamte kosmische Landschaft hinweg fest, die aus Gaswolken, Staub und neugeborenen Sternen besteht. Aufgenommen wurde das Bild mit der Wide-Field-Imager-Kamera am MPG/ESO-2,2-Meter-Teleskop am La-Silla-Observatorium der ESO in Chile.

15 Lichtjahre großer Nebel

Messier 17 befindet sich etwa 5.500 Lichtjahre von der Erde entfernt nahezu auf Ebene der Milchstraße im Sternbild Schütze (lat. Sagittarius). Das Objekt erstreckt sich über einen großen Teil des Himmels – seine Gas- und Staubwolken haben einen Durchmesser von etwa 15 Lichtjahren. Diese Materie treibt die Geburt neuer Sterne an, und das große Gesichtsfeld des neuen Bildes bringt viele Sterne vor, in oder hinter Messier 17 zum Vorschein.

Der Nebel erscheint als komplexe rötliche Struktur mit ein paar Abstufungen ins Pinke. Seine Farbe ist charakteristisch für leuchtendes Wasserstoffgas. Die kurzlebigen blauen Sterne, die unlängst in Messier 17 entstanden sind, emittieren genug ultraviolettes Licht, um das umgebende Gas so weit zu erhitzen, dass es hell zu leuchten beginnt. Im Zentralbereich sind die Farben heller und manche Bereiche erscheinen weißlich. Die weiße Farbe ist echt – sie entsteht durch die Mischung des Lichts, das aus dem heißesten Gas stammt, mit dem Sternlicht, das vom Staub reflektiert wird.

Hunderte Sterne

Das im Nebel gespeicherte Gas hat schätzungsweise mehr als die 30.000-fache Masse der Sonne. Außerdem enthält der Nebel einen offenen Sternhaufen aus 35 Sternen mit der Bezeichnung NGC 6618. Die Gesamtzahl an Sternen im Nebel ist jedoch deutlich höher – im Zentrum befinden sich knapp 800 Sterne und in den äußeren Regionen entstehen sogar noch mehr.

Über den gesamten rosa leuchtenden Nebel hinweg zieht sich ein Netz aus dunkleren Regionen aus Staub, die das Licht der Sterne dahinter verdunkeln. Diese "dunkle" Materie leuchtet ebenfalls und erscheint hell, sobald man sie mit Infrarotkameras beobachtet – obwohl diese Bereiche in dem im sichtbaren Licht aufgenommenen Bild dunkel erscheinen. (red, 26.9.2015)

  • Der Emissionsnebel Messier 17 hat einen Durchmesser von 15 Lichtjahren.
    foto: eso

    Der Emissionsnebel Messier 17 hat einen Durchmesser von 15 Lichtjahren.

  • Eine Digitized-Sky-Survey-Aufnahme der näheren Umgebung von Messier 17.
    foto: eso

    Eine Digitized-Sky-Survey-Aufnahme der näheren Umgebung von Messier 17.

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