Schlossherrin tritt einen Teil ihrer 162 Zimmer an Flüchtlinge ab

Ansichtssache25. September 2015, 13:48
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Sabine Schöller-Lamberty feierte mit Einheimischen und 24 Asylwerbern das Opferfest auf Schloss Königshof im Nordburgenland

Anfangs stand ihr die Bürokratie im Weg. Sabine Schöller-Lambertys Angebot, 14 Flüchtlinge aus dem überfüllten Erstaufnahmezentrum Traiskirchen in ihrem Schloss Königshof in Bruckneudorf aufzunehmen, konnte wegen der Gewerbeordnung nicht angenommen werden. Ab der Versorgung einer elften Person sei nämlich im Prinzip eine "Unterkunftsgewerbe-Berechtigung" nötig, also die Bewilligung, ein Hotel zu führen.

"Wir sind bemüht, eine Vertragslösung mit der Gewerbeabteilung zu finden", sagte Wolfgang Hauptmann, Leiter des Referats "Grundversorgung für Fremde" in der burgenländischen Landesregierung, im August den "Niederösterreichischen Nachrichten".

Offenbar erfolgreich. "Vor zehn Tagen hat ein Bus um zwei Uhr nachts zwei Dutzend Personen mit einem Stapel Dokumente abgesetzt. Asylanträge", sagte Christian Hanel, Gemeindevorstand Bruckneudorfs, der Nachrichtenagentur Reuters. Die Familien aus dem Irak und Syrien wohnen jetzt in einigen renovierten und an das Stromnetz angeschlossenen Teilen der 162 Räume von Schöller-Lambertys Schloss im Nordburgenland.

"Sie sind meine Kinder"

Ein Reuters-Reportageteam war am Donnerstag auf dem Anwesen, um von den Feierlichkeiten zu Eid al-Adha zu berichten, dem höchsten islamischen Fest. Das Essen wurde von Abu Tayeb zubereitet, der laut dem Bericht in seiner syrischen Heimat Koch war. Er habe seit sechs Tagen nichts von seiner Familie in Dera gehört.

"Die Österreicher sind die nettesten Menschen", wird Abir zitiert, der als Zeichenlehrer aus Deir ez-Zor flüchtete. Seine zwölfjährige Tochter Rama sagte: "Wir wussten, wenn der Islamische Staat in Deir ez-Zor ankommt, werden sie uns die Kehlen durchschneiden. Wir hatten nichts zu essen."

Einige Österreicher feierten auf Schloss Königshof mit, auch Schlossherrin Schöller-Lamberty. Über die Kinder, die jetzt über ihren Schlosshof laufen, sagt sie: "Sie sind meine Kinder, und ich werde für sie kämpfen." (red, 25.9.2015)

foto: reuters/leonhard foeger
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