Gesünder dank neuer Plattform?

2. Oktober 2015, 12:59
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Österreich hat schlechte Noten, wenn es um Gesundheitskompetenz geht. Abhilfe schaffen soll jetzt eine Vernetzungsplattform

Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit, im täglichen Leben Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Jugendliche in Österreich weisen mehrheitlich eine geringe Gesundheitskompetenz auf. Im europäischen Ranking liegt Österreich insgesamt auf besonders schlechten Plätzen. Vor allem sogenannte bildungsferne und sozial benachteiligte Jugendliche sind von einer geringen Gesundheitskompetenz betroffen. Fast ein Viertel der Österreicher tut sich schwer, zu verstehen, was der Arzt sagt. Rund 56 Prozent haben einer Studie des Ludwig-Boltzmann-Instituts zufolge eine problematische oder gar inadäquate Gesundheitskompetenz.

Dass sich die Prognosen für "Wir werden alle 100 Jahre alt" aufgrund ungesunder Lebensführung relativieren, hat die Weltgesundheitsorganisation in dieser Woche verlautbart: Alkohol, Übergewicht und Bewegungsmangel werden als auffällig lebensverkürzend ausgewiesen.

Mentoring und Berichterstattung

Unerfreuliche Ergebnisse für das Land und sein aufwendiges Gesundheitssystem, das nationaler Anstrengungen zur Besserung bedarf. Auch was die Integration der Asylwerber betrifft, bei der für ein Gelingen das Wissen, wie Orientierung im Gesundheitssystem geht und was gesunde Lebensführung bedeutet, essenziell sind.

Um in allen Bereichen der Verantwortung einzuwirken, hat das Gesundheitsministerium nun gemeinsam mit Partnern im Gesundheitssystem, dem Bildungs- und Sozialministerium, die Österreichische Plattform für Gesundheitskompetenz (ÖPGK) ins Leben gerufen. Der Fonds Gesundes Österreich koordiniert.

"Sehr langfristig", wie Sektionschefin Pamela Rendi-Wagner sagt, ist diese Vernetzungsplattform angelegt. Ermöglicht werden soll, dass bessere Orientierung im Gesundheitssystem sichtbar wird, Barrieren abgebaut werden und Gesundheitskompetenz in die Curricula der Gesundheitsberufe bis in die basale Bildung Eingang findet. Es geht um ein Bündeln der Kräfte und Anstrengungen, um ein Abstimmen der Maßnahmen, um das oft schwierige Monitoring und um Berichterstattung, nicht um neue Fördertöpfe.

Jetzt aber gemeinsam

Die übergreifende Struktur ist für Österreich neu: Auch wenn Kritik laut wird, es handle sich um eine weitere Expertenplattform, so haben bis jetzt die Verantwortlichen aus Ministerien, Sozialversicherungen und angeschlossenen Systempartnern so noch nie zusammengefunden. Interessen und Ausrichtungen in der Wirkungsorientierung waren oft (auch medienwirksam) hinderlich. Offen ist die Plattform jetzt für Mitglieder, die ihre Projekte darstellen möchten, um voneinander zu lernen. Noch ist die Plattform kein großes gemeinsames Ganzes, aber sie möchte es werden – ganz entgegen dem in Österreich so gerne praktizierten Silodenken und -verhalten.

"Health Literacy" heißt zu diesem Anliegen der Fachausdruck, an dem sich die Wissenschaft aktuell in einer großen Flut an Publikationen abarbeitet. Gesagt wird es so nicht, aber es mag wohl auch um die enormen volkswirtschaftlichen Kosten chronischer Erkrankungen, von Arbeitsunfähigkeit und langen Krankenständen aufgrund psychischer Erkrankungen gehen. Das in einer Gesellschaft, in der Gesundheit teilweise fast religiösen Status hat, in der neue Erkrankungen wie etwa Orthorexie auftreten und in der der Imperativ andauernder Selbstoptimierung inklusive Selbstüberwachung auch Platz greift und die Effizienz des Gesamtsystems der Gesundheitsversorgung permanent in Diskussion steht.

Input für Gesundheitsmanagement

Die ÖPGK: Kein fertiges Projekt, aber ein Ansatz für Gemeinsamkeit, den auch Unternehmen beobachten sollten, die Ansätze und Maßnahmen für ihr betriebliches Gesundheitsmanagement, für ihre Maßnahmen und Zugänge suchen und erarbeiten. (Karin Bauer, 2.9.2015)

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