Air India: Mitarbeiter mit Übergewicht müssen am Boden bleiben

25. September 2015, 12:38
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Air India lässt 125 "fliegende Mitarbeiter" am Boden bzw. schickt sie in Frührente – sie sind zu schwer, und die indische Nationalairline macht Sicherheitsbedenken geltend. Die scheinen für die überalterten A320 jedoch nicht zu gelten

Die indische Nationalairline Air India hat 600 ihrer Mitarbeiter, die älter als 40 Jahre sind, schon vor Monaten ein Ultimatum gestellt: Entweder sie bringen ihr Gewicht innerhalb von 18 Monaten auf Normalmaß oder sie würden zwangsversetzt oder in Frührente geschickt. Das berichtet die Flugwebsite Fluege.de.

Air India hat zur Begründung der Maßnahme Sicherheitsbedenken in Notfallsituationen, wie etwa Evakuierungen, angeführt. Im Ernstfall seien übergewichtige Flugbegleiter nicht beweglich genug und hätten schlechtere Reflexe, so die Argumentation. Die Vorschriften habe sich die Airline jedoch nicht selbst ausgedacht, sie schiebt jetzt eine Behörde vor: Laut indischer Aufsichtsbehörde Directorate General of Civil Aviation darf das Kabinenpersonal einen Body-Maß-Index (BMI) von 18 bis 25 bei Männern und 18 bis 22 bei Frauen nicht überschreiten.

Sicherheit oder Diskriminierung?

Die Mehrheit des Kabinenpersonals von Air India hat dem Diätaufruf Folge geleistet, aber 125 Flugbegleiter bringen immer noch zu viel auf die Waage und werden nun "aussortiert". Ist das Diskriminierung am Arbeitsplatz und will man sich auf diese Weise nur auf einfache Art und Weise von überaltertem Personal, das "ästhetischen Standards" nicht entspricht, trennen? Die Fluggesellschaft beschäftigt insgesamt 3.500 Flugbegleiter, bei denen es anscheinend in erster Linie weder auf Freundlichkeit noch auf Kompetenz ankommt – nur der BMI muss stimmen. Schlimm ist nur, dass die Mitarbeiter der Air India keine reelle Chance haben, sich gegen diesen Diätwahn zu wehren: Ein Gewichtslimit für das fliegende Personal gibt es bei Air India bereits seit den 1980-er Jahren und gestritten wird seither ständig darum.

Auch die A320 von Air India sind reif für die Rente

Air India gilt auf vielen Gebieten als "Problemfall" und ist generell keine "Vorzeigeairline". Die Fluglinie hat nicht nur zu viel überaltertes Personal, sondern auch nur wenige lukrative Flugstrecken. Zudem gerät Air India regelmäßig mit mehr oder weniger kuriosen Zwischenfällen in die Schlagzeilen. Auch die Aufnahme in das Luftfahrtbündnis Star Alliance gelang Air India erst im zweiten Anlauf.

Und nicht nur die meisten Kabinenmitarbeiter bei Air India sind rentenreif – nein, auch mindestens drei der Maschinen des Typs A320 sind überaltert. Doch im Gegensatz zum Personal sollen diese jetzt nicht ausgemustert werden, sondern sogar noch über ihre eigentliche Lebensdauer von etwa 25 Jahren hinaus im Dienst bleiben.

Die Air-India-Piloten üben heftige Kritik an diesem Vorhaben: Die A320-Flotte sei nahezu komplett überaltert und einige der Maschinen seien nicht mehr flugtauglich. Selbst eine Aufforderung der Piloten an die indische Luftfahrtbehörde DGCA, die "Oldies" aus dem Dienst zu nehmen, blieb ohne Erfolg. Air India hat vom Flugzeugbauer Airbus bereits eine Betriebsverlängerung um 18 Monate für die fraglichen A320 bekommen. Allerdings muss die DGCA noch darüber entscheiden. Es hat den Anschein, dass nun auch die Erneuerung der Mittelstreckenflotte bei Air India zum Problem wird und sich offenbar auf unbestimmte Zeit verzögert. (red, 25.9.2015)

  • Ein Gewichtslimit für das fliegende Personal gibt es bei Air India bereits seit den 1980-er Jahren und gestritten wird seither ständig darum.

    Ein Gewichtslimit für das fliegende Personal gibt es bei Air India bereits seit den 1980-er Jahren und gestritten wird seither ständig darum.

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