Routine-Laborwerte zeigen Zustand von Krebspatienten an

25. September 2015, 10:43
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Bei Kranken, die bereits Gehirnmetastasen entwickelt haben – Große Wiener Studie mit Daten von 1.200 Patienten

Die häufigsten bösartigen Hirntumore bei Erwachsenen sind nicht jene vom Gehirngewebe selbst ausgehenden Tumore, sondern Metastasen von anderen, außerhalb des Gehirns aufgetretenen Krebserkrankungen. Wie der Zustand der Patienten ist, lässt sich oft nur sehr aufwendig beurteilen. Wiener Wissenschafter haben dazu Routine-Laborwerte von Kranken analysiert. Sie sind sehr aussagekräftig, wie eine neue Studie zeigt.

Oft liegt der Ursprung dieser Tochtergeschwülste im Gehirn bei einem Lungenkarzinom, einem Mamma- oder Nierenzellkarzinom oder bei einem malignen Melanom. Hirnmetastasen sind gefürchtet, weil nur wenige Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen und die Lebensqualität durch die Symptome, die von Kopfschmerzen über neurologische Ausfälle bis zu Epilepsie oder akutem Anstieg des Hirndrucks reichen, stark beeinträchtigt sein kann.

Anna Berghoff vom Comprehensive Cancer Center der MedUni Wien und ihre Co-Autoren haben versucht, den Status von solchen Patienten anhand leicht und routinemäßig erhobener Labordaten einzuschätzen: "Es gilt gemeinsam mit dem Patient abzuwägen, welche Strategie – abhängig von der zu erwartenden Lebenszeit – die sinnvollste ist."

Aussagekräftige Laborwerte

Laut den Ergebnissen haben diese Laborwerte haben eine gute Aussagekraft. Das ergab die Analyse der Daten von 1.201 Patienten. Auch für das Überleben sind sie ein relevanter Faktor, da die meisten Patienten mit Hirnmetastasen nur eine eingeschränkte Lebenserwartung von wenigen Monaten haben. Einige wenige Patienten können jedoch auch sehr lange mit Hirnmetastasen leben.

In der Untersuchung wurden die Informationen von Patienten mit unterschiedlichen Krebserkrankungen analysiert. Mit 39,9 Prozent am häufigsten war die zugrunde liegende Erkrankung Lungenkrebs, in 22 Prozent Brustkrebs, in 13,6 Prozent Melanom, in 10,1 Prozent Nierenzellkarzinom, in 8,4 Prozent Dickdarmkrebs und in 6,5 Prozent andere Tumore.

Es zeigte sich, dass unter dem Normalwert liegende Werte für den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin), Albumin (das wichtigste Plasmaeiweiß), Blutplättchen (Thrombozyten) und weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sowie erhöhte Lactatdehydrogenase- und Entzündungswerte (C-reaktives Protein) mit einem schlechteren Überleben bei Hirnmetastasen verbunden waren. "Im übertragenen Sinn stehen diese Werte dafür wie 'fit' ein Patient ist", betonte die Wissenschafterin am Freitag. Damit könnte man den Zustand und die Prognose von Kranken auch objektiver einschätzen. (APA, 25.9.2015)

  • Routine-Laborwerte von Hirntumor-Patienten sagen viel über das weitere Fortschreiten der Erkrankung aus.
    foto: barbara gindl/apa

    Routine-Laborwerte von Hirntumor-Patienten sagen viel über das weitere Fortschreiten der Erkrankung aus.

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