Über elf Millionen Türken sitzen in der Armutsfalle

25. September 2015, 10:08
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15 Prozent der Bevölkerung verdienen im Monat maximal 135 Euro

Istanbul – Die Lebensbedingungen der Türken verschlechtern sich zunehmend. 11,4 Millionen Türken leben laut Zahlen des Statistikamts für das Jahr 2014 ständig in Armut – rund 15 Prozent der Bevölkerung. Ihr monatliches Einkommen beträgt nicht mehr als 463 Lira, rund 135 Euro. Davon können 6,5 Millionen nicht einmal 370 Lira im Monat vorweisen.

Vor allem Tagelöhner und Arbeiter in der Landwirtschaft sind davon betroffen. Der Frauenanteil ist in der Landwirtschaft zudem überproportional hoch.

200.000 Niedriglohnbezieher mehr

Nicht zu den Armen gezählt werden Bezieher von Einkommen bis 648 Lira, rund 190 Euro – obwohl das monatliche Mindesteinkommen in der Türkei mit knapp 1.000 Lira veranschlagt wird. Die Anzahl dieser Niedriglohnbezieher hat sich innerhalb eines Jahres um 244.000 auf 22,2 Millionen erhöht.

In den höheren Einkommensklassen greift indes die Verschuldung um sich. Mehr als 66 Prozent der Türken sind über Darlehen und Kreditkartenzahlungen verschuldet. Beunruhigend sind die hohen Kreditkartenschulden und Darlehen, um bestehende Schulden abzudecken. Während der Anteil der persönlichen und Kreditkarten-Darlehen im Jahr 2004 rund 22 Prozent der Gesamtverschuldung ausmachte, liegt er heute bei 40 Prozent.

Während der Aufschwungjahre haben die Türken etwas mehr als ein Drittel ihrer Einkommen für Haus- und Autokredite verwendet. 65 Prozent der Türken besitzen ein Haus, fast jeder Vierte ist mittlerweile statistisch gesehen Autobesitzer.

Zeit des Aufschwungs vorbei

Ende 2004 lag die Privatverschuldung der Türken noch bei 26,5 Milliarden Lira. Zehn Jahre später, im Juni 2015, betrug die Verschuldung bereits 390 Milliarden Lira. Davon entfallen nach Angaben der Bankvereinigung Turkey Risk Center 15 Milliarden auf notleidende Kredite. Was in dieser Statistik nicht aufgelistet wird, sind die weitverbreiteten Privatkredite bei Freunden oder Verwandten.

Der Aufschwung hatte sich bereits 2014 deutlich eingebremst, das durchschnittliche Haushaltseinkommen verringerte sich laut dem türkischen Statistikamt gegenüber 2013 um fast ein Viertel. Im Jahr 2013 betrug es noch 14.533 Lira, ein Jahr später waren es nur noch 11.108 Lira – ein Rückgang um 23,5 Prozent.

Für die Familien bedeutet das, dass sich beinahe 69 Prozent einen einwöchigen Urlaub außerhalb des eigenen Hauses nicht mehr leisten können. 29 Prozent geraten bei unerwarteten Ausgaben in Bedrängnis, ein Viertel gibt an, nicht ausreichend Geld für das Heizen zu besitzen.

Ungleichheit hoch

Als positiv vermerken die Statistiker, dass sich der Unterschiede zwischen den Bestverdienern und den niedrigsten Einkommensschichten um 0,3 Prozent verringert hat. Einer OECD-Studie aus dem Jahr 2014 zufolge ist aber das Einkommen der reichsten zehn Prozent in der Türkei 15-mal höher als das der ärmsten zehn Prozent. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch die türkische Statistikbehörde. Was sie im Gegensatz zur OECD nicht ausweist, ist der Anstieg der Zahl der Dollarmilliardäre. Die hat sich in den letzten zehn Jahren verzehnfacht. Mittlerweile zählt die Türkei 44 Dollarmilliardäre. (APA, red, 25.9.2015)

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