Technologie für UN-Friedensmissionen

25. September 2015, 05:30
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UNO-Missionen brauchen militärisches Equipment, um für Peacekeeper und für die Zivilgesellschaft Sicherheit zu gewährleisten

Wien – Wenn die Vereinten Nationen eine Friedensmission etablieren, dann sind sie nicht immer willkommen – oder nicht bei allen in jener Region willkommen, wo eigentlich Frieden geschaffen, Friedensabkommen geschlossen und letztlich implementiert werden sollen. Da ist es für die UN-Soldaten und die zivilen Beamten überlebensnotwendig, ein aktuelles Lagebild zu haben, Bedrohungen für sich selbst und für die Bevölkerung, die in der jeweiligen Region lebt, rasch zu erkennen – und diese nach Möglichkeit abzuwehren.

Wenn UN-Lager – oder auch zivile Dörfer im Umfeld – etwa von Rebellen angegriffen werden, dann sollte das über weitreichende elektronische Aufklärung im Vorfeld erkannt werden. Dass Angriffe und Angreifer rasch entdeckt, Gegenmaßnahmen eingeleitet und Regelverstöße identifiziert werden, dient nicht nur der Sicherheit der Betroffenen, sondern auch der Vertrauensbildung unter den Konfliktparteien. Wenn das eigene Hauptquartier unter Beschuss steht, setze man sich eben nicht so locker an den Verhandlungstisch für Friedensverhandlungen, erklärt Axel Weber, ein Offizier der Bundeswehr, der seit zwei Jahren militärischer Chefkommunikator im Department of Field Support der UNO ist, dem STANDARD.

Jahre der Unsicherheit

"Der Prozess, die verfeindeten Parteien zusammenzubringen, kann Jahre dauern. Da braucht man entsprechende Technologie, um Zivilisten schützen zu können", sagt Dirk Druet vom Policy Planning Team der Vereinten Nationen, die diese Woche an der Landesverteidigungsakademie eine Konferenz zum "Partnership for Technology in Peacekeeping" abgehalten haben.

Dabei geht es darum, die Prozesse rund um die friedenserhaltenden Operationen der UNO effizienter zu machen – "im Verwaltungsbereich sind wir relativ gut, obwohl man da immer auch verbessern kann, aber jetzt geht es um die Lücken, die wir in Bereichen wie der Sicherheit haben", erklärt Suzanne Shanahan, die 22 Jahre Peacekeeping-Erfahrung hat und im New Yorker UN-Hauptquartier für Technologie in den Einsatzgebieten zuständig ist.

Technologie zur Aufklärung

Dazu ist es notwendig, Kommunikations- und Aufklärungstechnologien für Soldaten und Zivilpersonal mit sehr unterschiedlichem Hintergrund bereitzustellen. Manche einfache Soldaten in UN-Einsätzen sprechen keine der Weltsprachen, sondern unterhalten sich untereinander in ihrer Stammessprache. Im Ernstfall – also etwa im Falle eines Angriffs auf ein UN-Lager brauchen aber alle ein verlässliches Lagebild und verlässliche Kommunikation. Erfahrene Offiziere berichten aber aus internationalen Einsätzen, dass schon die Verbindung zum benachbarten Bataillon schwierig sein kann, wenn es von einer anderen Nation gestellt wird.

Technologie ist vor allem in fünf Bereichen gefragt:

  • Interoperabilität (die nach Erfahrung von Einsätzen unterschiedlich ausgerüsteter Teams vor allem in den ersten 30 Tagen problematisch ist)
  • Training & Leadership Development
  • Datensicherheit & Cyber Defence
  • Geospezifische Information & Situation Awareness
  • Next Generation Innovation – also die Entwicklung neuer Tools im Lichte der eben im Feld gewonnen Erfahrungen in Kooperation mit den zivilen Anbietern.

Wobei es für die Zulieferer – die von einfacher Hardware bis zu kompletten Services (also Personal, das die Hardware bedient und am Ende verwertbare Ergebnisse liefert) alles bieten – interessant ist, an die UN liefern zu können, auch wenn man nicht offiziell damit werben darf, UN-Lieferant zu sein.

Bewährte Standards

Denn was bei UN-Einsätzen bewährt ist, kann als bewährter Standard angesehen werden. Das ist auch der Grund, warum die österreichischen Anbieter froh waren, dass die Technologiekonferenz – die zweite ihrer Art nach einem wesentlich weniger hochrangig besetzten Event in Brindisi 2014 – in Wien stattgefunden hat. Am Rand der Konferenz wurden unter anderem Funkaufklärungssysteme, Informationssoftware, ein in Österreich entwickeltes automatisches Solarmodul und ein frisch aus Afghanistan zurückgekehrtes Panzerfahrzeug aus österreichischer Produktion gezeigt. (Conrad Seidl, 25.9.2015)

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