Dinosaurierfunde im hohen Norden Alaskas geben Rätsel auf

24. September 2015, 20:02
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Die Entdeckung eines bislang unbekannten Hadrosauriers in Alaska überrascht. Die dortigen Lebensbedingungen in der Oberkreide waren nämlich alles andere als günstig

Fairbanks/Wien – Forscher haben in Alaska tausende Überreste einer bislang unbekannten, pflanzenfressenden Dinosaurierspezies entdeckt. Doch das ist erst der Anfang eines Rätsels, das neue Fragen zur Physiologie der Tiere aufwirft: Denn vor 69 Millionen Jahren, als diese Hadrosaurier lebten, lag der Fundort in etwa am 80. nördlichen Breitengrad – und damit jenseits des Polarkreises.

Zwar war das Klima in der Kreide allgemein warm und ließ eine üppige Pflanzenwelt sprießen. Dennoch muss im hohen Norden im Winter monatelange Dunkelheit geherrscht haben, und vermutlich fiel nicht selten Schnee. All das ergibt nicht gerade günstige Voraussetzungen für kreidezeitliche Pflanzenfresser.

Nördlichste Fundstätte

Wie diese Dinosaurier also überleben konnten, ist unklar. Schon im Vorjahr sorgte der Fund tausender Fußabdrücke eines anderen Hadrosauriers im alaskischen Denali-Nationalpark für Aufsehen. Der neue Fundort liegt aber noch weiter nördlich, und es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass die damals an der Küste gelegene sumpfige Gegend trotz zeitweiliger Kälte und Dunkelheit Lebensraum gleich einiger Dinosaurierarten war.

Denn es fanden sich auch Überreste von mindestens 13 anderen Spezies, die allerdings noch nicht beschrieben werden konnten, wie die Paläontologen um Gregory Erickson (Florida State University) und Patrick Drukkenmiller (University of Alaska Museum, Fairbanks) berichten. "Im Prinzip haben wir eine verlorene Welt polarer Dinosaurier entdeckt, von deren Existenz wir nichts wussten", so Erickson.

Ergiebige Grabungen

Die ersten Dinosaurierfossilien tauchten in Alaska allerdings schon 1961 auf. Damals stieß der Geologe Robert Liscomb bei Vermessungen für eine Ölfirma am Colville River, etwa 500 Kilometer nordwestlich von Fairbanks, auf einige Knochen, konnte sie jedoch nicht zuordnen.

Seither erwies sich die Gesteinsformation als wahre Fundgrube. Tausende weitere Fossilien wurden geborgen, von denen nun im Fachblatt "Acta Palaeontologica Polonica" ein erheblicher Teil der neuen Hadrosaurierpezies zugeordnet werden konnte. Ihr Name: Ugrunaaluk kuukpikensis, was in der Sprache der Ureinwohner Alaskas so viel wie "uralter Grasfresser" bedeutet. Diese Bezeichnung dürfte der bis zu neun Meter langen Spezies sehr gerecht werden, darauf deutet zumindest ihr massiver Kauapparat mit hunderten Einzelzähnen hin.

Mysteriöses Massensterben

Wie andere bekannte Hadrosaurier lebte vermutlich auch Ugrunaaluk kuukpikensis in größeren Gruppen. Dass diese aber so weit nördlich kamen, wo die damalige Durchschnittstemperatur höchstens sechs Grad Celsius betrug, widerspreche allem, was bisher über die Physiologie dieser Tiere angenommen wurde, so Erickson: "Es weckt die Frage, wie diese Tiere dort überleben konnten."

Am Colville River fand offenbar gleich eine ganze Herde von Jungtieren gemeinsam den Tod. Die meisten Knochen stammen von Exemplaren, die erst um die zweieinhalb Meter lang waren und eine Hüfthöhe von etwa einem Meter aufwiesen. Wodurch sie starben, ist ebenfalls noch unklar. (David Rennert, 25.9.2015)

  • So könnte der Hadrosaurier Ugrunaaluk kuukpikensis (Inupiaq für "uralter Grasfresser") ausgesehen haben. Wie er zeitweiligen Schneefall und winterliche Finsternis überstehen konnte, ist unklar.
    foto: james havens

    So könnte der Hadrosaurier Ugrunaaluk kuukpikensis (Inupiaq für "uralter Grasfresser") ausgesehen haben. Wie er zeitweiligen Schneefall und winterliche Finsternis überstehen konnte, ist unklar.

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