Zwang tötet die Freude am Hobby

Blog25. September 2015, 13:08
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Eine Freizeitbeschäftigung finden und das Kind bei der Ausübung unterstützen: Was es dabei zu beachten gilt

Der zehnjährige Benjamin beschließt, Tennis spielen lernen zu wollen. Die Eltern Ingrid und Peter suchen für den kleinen Mann einen Tennisverein aus und schenken ihm zum Geburtstag einen Tenniskurs. Die Ausrüstung bekommt er von den Großeltern. Schon zwei Wochen nach dem Fest findet die erste Tennisstunde statt. Der Junge ist glücklich, seine Augen strahlen nach den ersten Stunden. Auch später freut er sich jedes Mal sehr auf die nächsten Tennisstunden.

Eines Tages holt der Trainer Ingrid zur Seite und sagt, er könne den Kleinen nicht mehr wirklich gut genug fördern. Sie solle sich überlegen, ob sie Benjamin nicht in einem Trainingszentrum vorspielen lassen möchte, denn er hätte wirklich großes Talent.

Heute ist Benjamin 16 Jahre alt. Er trainiert fünf Mal die Woche und spielt bereits auf internationalen Tennisturnieren. Die Eltern haben eine Schule gesucht, die ihren Sohn in seiner Tennislaufbahn unterstützt – und sie bringen ihn immer noch fast täglich zum Training und holen ihn wieder ab. Die Freude darüber, dass Benjamin mit dem Tennis so glücklich ist und der Stolz auf seine Leistungen sind immer noch vorhanden. Doch das tägliche Bringen und Holen haben sich im Laufe der Zeit zu einer manchmal lästigen und vor allem zeitraubenden Beschäftigung entwickelt, die sie viel Energie kostet.

Ein Hobby finden – und dabei unterstützen

Kinder, die durch Eltern und Bezugspersonen die Möglichkeit bekommen, viel zu sehen, zu hören oder zu erleben, entwickeln im Laufe der Zeit verschiedenste Interessen. Übt jemand aus der Familie oder dem Freundeskreis ein Hobby aus, weckt das die Neugierde im Kind. Es möchte dies ebenfalls ausprobieren und kann sich – zumindest kurze Zeit – dafür begeistern.

Die meisten Kinder – gerade im Volksschulalter – sehen andere Kinder, die gut tanzen, singen, zeichnen, Fußball spielen oder auch gut mit dem Computer umgehen können. Aber dass es Übung und Zeit braucht, dies zu erlernen, können sie noch nicht so gut einschätzen.

Ganz alleine werden Kinder also oftmals nicht entscheiden können, welcher Freizeitbeschäftigung sie nachgehen wollen. Um die Motivation zu fördern, sollten natürlich die Wünsche des Kindes bei der Hobbyauswahl berücksichtigt werden. Denn kein Kind beschäftigt sich gerne mit etwas, das es nicht interessiert oder das es nicht gut kann. Hier kann es hilfreich sein zu überlegen, womit sich das Kind in seiner Freizeit schon viel beschäftigt und ob es eher ein sportlicher oder ein musisch-kreativer Typ ist.

Kein Zeit- oder Leistungsdruck

Und ja, manchmal entwickeln Kinder Interessen, mit denen Eltern gar nichts anfangen können, wovon Eltern vielleicht gar keine Ahnung haben. Was dann? Dann ist es sinnvoll, sich erklären zu lassen, worum es geht, was daran so fasziniert – und das Kind zu unterstützen.

Wenn Eltern befürchten, dass es ihrem Kind nicht ernst mit der Auswahl des Hobbys ist, sollten sie überlegen, wie lange sich das Kind die Ausübung dieses Hobbys schon wünscht.

Es kommt selbstverständlich auch darauf an, wie viel Zeit neben Kindergarten und Schule noch bleibt, denn ein Hobby sollte niemals einen zusätzlichen Zeit- oder Leistungsdruck erzeugen. Wobei, gerade Jugendliche können sehr gut selbst entscheiden, wie viel Leistung, vor allem im Sport, sie bringen möchten.

Zeiträume vereinbaren

Haben sich die Eltern dazu entschlossen, ihrem Kind das gewünschte Hobby zu ermöglichen, sollte ein Zeitraum – ein Monat, ein Semester, ein Schuljahr – vereinbart werden, wie lange es sich mindestens dafür verpflichtet. So lernt das Kind durchzuhalten und nicht gleich bei der ersten Langeweile aufzugeben. Nach der vereinbarten Zeit ist es wichtig, das Kind entscheiden zu lassen, ob es dieses Hobby weiter ausüben oder aufgeben will.

Denn Kinder entwickeln sich weiter und dabei verändern sich manchmal auch die Interessen und Hobbys. Oft wollen Kinder dann mit dem Spielen eines Instruments oder der Ausübung einer Sportart aufhören. Das ist für Eltern manchmal nicht nachvollziehbar, vor allem dann, wenn das Kind gut bei dem ist, was es macht. Hier ist es wichtig, den Wunsch des Kindes zu respektieren, nachzuhaken, warum es aufhören will, aber keinen Zwang auszuüben. Zwang tötet die Freude am Hobby!

Alle sind gefordert

Egal, welches Hobby ein Kind ausübt, Eltern und Bezugspersonen sind oftmals sehr gefordert. Ein Kind, das sein Hobby ernst nimmt, braucht viel Unterstützung in Form von Ausrüstung, Zeit für Bring- und Holdienste, Motivation zum Üben und Durchhalten. Da ist es für Eltern und Bezugspersonen auch wichtig, ein möglichst gutes Gleichgewicht zu finden zwischen den Bedürfnissen des Kindes und den eigenen Bedürfnissen.

Ihre Erfahrungen?

Haben Sie ein Hobby? Wie halten Sie es mit den Hobbys und der dafür nötigen Unterstützung Ihres Kindes? Posten Sie Ihre Erfahrungen, Fragen und Ideen im Forum! (Andrea Leidlmayr, Christine Strableg, 25.9.2015)

Andrea Leidlmayr und Christine Strableg bloggen auf derStandard.at/Familie und geben Eltern Tipps für den täglichen Erziehungsalltag.

  • Ist Ihr Kind eher ein sportlicher oder ein musisch-kreativer Typ?
    foto: epa/erik s. lesser

    Ist Ihr Kind eher ein sportlicher oder ein musisch-kreativer Typ?

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