Blatter stellt sich einem Kreuzverhör

24. September 2015, 16:59
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Am Freitag muss sich der scheidende FIFA-Präsident zur Suspendierung von Jérôme Valcke äußern

Zürich – Joseph S. Blatter stellt sich. Zwar wird der scheidende und mehr denn je umstrittene Präsident des Fußballweltverbands Fifa am Freitag nur vor die Weltpresse treten, da erwartet den 79-jährigen Schweizer aber ein wahres Kreuzverhör. Eines der Hauptthemen wird Jérôme Valcke sein. Der 54-jährige Franzose war am vergangenen Donnerstag nach achtjähriger Amtszeit als Fifa-Generalsekretär von seinen Aufgaben entbunden worden. Nur Stunden zuvor hatten Mitarbeiter einer Züricher Ticketingagentur berichtet, dass Valcke bei Verhandlungen über Verträge in Zusammenhang mit den WM-Endrunden von 2010 bis 2022 persönliche Gewinnbeteiligungen in Millionenhöhe herausgeschlagen habe. Zudem soll er nach Angaben eines allerdings fragwürdigen Zeugen schon 2010 davon gesprochen haben, dass Katar die WM 2022 sicher sei.

Schweigen am Zürichberg

Während sich Valcke, der auch nach Angaben der Belastungszeugen letztlich kein Geld erhalten haben soll, an einen unbekannten Ort zurückzog und durch seinen Anwalt sämtliche Anschuldigungen zurückweisen ließ, blieb Blatter an seinem Schreibtisch am Zürichberg, schwieg aber eisern.

Die Mitglieder des Exekutivkomitees der Fifa erhofften schon am Donnerstag auf einer Sondersitzung neue Informationen vom Chef. Schließlich ließen sich Horrorszenarien ausmalen, sollten die Vorwürfe gegen Valcke stimmen. So führte kein Weg daran vorbei, Katar die WM zu entziehen. Folgerichtig wären dann Milliardenklagen aus dem Emirat und von Bauträgern aus der ganzen Welt, auch aus Österreich.

Um Klarheit in der Sache ist von Amts wegen der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber bemüht. Wie die Bundesanwaltschaft am Donnerstagabend mitteilte, hat die FIFA den Ermittlern wie gefordert Einsicht in alle Email-Accounts von Valcke gewährt. Zudem begrüßte die Bundesanwaltschaft die Tatsache, "dass die FIFA aus eigener Initiative die Emails von Valcke seit Mai 2015 der Bundesanwaltschaft überbracht hat." Zuvor hatte ein Sprecher mitgeteilt, dass die FIFA die Einsicht nur "unter bestimmten Voraussetzungen" gewähren wolle.

Bereits nach der Eskalation des Fifa-Skandals Ende Mai hatte Valcke seinen Abschied spätestens nach der Wahl eines Nachfolgers für Blatter im Februar 2016 angedeutet. Zuvor war die Nummer zwei der Verbandshierarchie und also rechte Hand des Chefs durch eine 2007 erfolgte Anweisung über zehn Millionen Dollar in die Karibik in die Kritik geraten. Es wurde unterstellt, dass der Transfer von den Konten des Weltverbandes auf das Konto des Verbandes der Karibikstaaten zum Zweck der Bestechung im Zusammenhang mit Südafrikas Bewerbung für die WM 2010 erfolgt sei. Die Fifa und die südafrikanische Regierung beharrten darauf, dass die Anweisung, über die Präsident Blatter informiert gewesen sein soll, nur für Entwicklungshilfeprogramme in der Karibik gedacht gewesen sei.

Sanfte Notlandung

Intern soll Valcke allerdings kurz darauf und damit noch vor Veröffentlichung der jüngsten Vorwürfe gegen seine Person den Wunsch geäußert haben, die Fifa möglichst zeitnah verlassen zu können. Und er soll einen Millionenbonus und den Verzicht auf mögliche Strafverfolgung verlangt haben. (sid/red, 25.9.2015)

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