Klimawandel verpasst Hummeln kürzere Zungen

28. September 2015, 12:29
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Über lange Zeiträume entstandene wechselseitige Anpassungen können durch Klimaveränderungen beeinflusst werden, berichtet eine neue Studie.

Old Westbury – Die Form von Blütenkelchen und der Mundwerkzeuge der blütenbestäubenden Insekten gilt als ein typisches Beispiel von Koevolution. Während es sehr langer Zeiträume bedarf, bis solche wechselseitigen Anpassungen zustande kommen, konnte eine neue im Fachblatt "Science" veröffentlichte Studie nun zeigen, dass klimatische Veränderungen zu einem umso schnelleren Ende dieser Beziehung führen können.

Einige Hummelarten haben sich durch die Ausbildung sehr langer Zungen auf die Nektaraufnahme in tiefen Blütenkelchen spezialisiert und sich so zu den Hauptbestäubern dieser Pflanzen entwickelt – eine Anpassung die beiden Arten zum Vorteil gereicht. Jüngste Rückgänge in den Beständen dieser Insekten ließen nun vermuten, dass es zu einer Veränderung dieser mutualistischen Beziehung gekommen ist. Forscher um Nicole E. Miller-Struttmann konnten auf der Basis historischer Daten zeigen, dass Rückgänge der Wirtspflanzen zweier alpiner Hummelarten mit der jüngsten Klimaerwärmung zusammenhängen und zu einer Veränderung im Sammelverhalten der Insekten führten.

Die Forscher verglichen Hummeln der Gattung Bombus balteatus und Bombus sylviacola von drei Standorten in den Rocky Mountains aus den 1960er und 1970er Jahren mit Hummeln aus den Jahren 2012 bis 2014. Es zeigte sich, dass sich die Zungen der Insekten über den Untersuchungszeitraum von 40 Jahren hinweg signifikant verkürzt hatten. Durch weitere Vergleiche von historischen und aktuellen Feldstudien von Wirtspflanzen und Hummeln konnten die Forscher auf die Ursachen für diese Veränderungen rückschließen.

Trendwende: Vom Spezialisten zum Generalisten

Den Wissenschaftern zufolge führten wärmere Sommer zu einem starken Rückgang der von Hummeln bevorzugten Pflanzen mit tiefen Blütenkelchen. Die dadurch veränderte Zusammensetzung der Pflanzengemeinschaft zwang die Hummeln zu einer Anpassung an die verbleibenden Pflanzenarten, worunter sich viele mit flachen Blütenkelchen befanden. Die Insekten passten sich also durch die kürzeren Zungen an die häufigeren Blütentypen an und entwickelten so eine generalistischere Lebensweise.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass auch gut etablierte mutualistische Beziehungen zwischen Blütenpflanzen und ihren Bestäubern durch klimatische Veränderungen ins Wanken geraten können.

Eine Studie der Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) Zürich zeigte kürzlich, dass der Klimawandel zu einem härteren Konkurrenzkampf alpiner Pflanzenarten führen wird. Die Beobachtungen legen nahe, dass Änderungen der Pflanzengemeinschaften in den Alpen ebenso zu Veränderungen in den Pflanzen-Bestäuber-Beziehungen führen können, wie in der amerikanischen Studie gezeigt wurde. (rede, 28.9.2015)

  • Eine Hummel der Art Bombus balteatus sammelt Nektar auf einer Oxytropis-sericea-Blüte.
    foto: christine carson

    Eine Hummel der Art Bombus balteatus sammelt Nektar auf einer Oxytropis-sericea-Blüte.

  • Die Wissenschafterinnen Jessica Kettenbach und Elizabeth Hedrick erfassen die Pflanzendichte an einem der Langzeitmonitoring Standorte in den Rocky Mountains.
    foto: nicole miller-struttmann

    Die Wissenschafterinnen Jessica Kettenbach und Elizabeth Hedrick erfassen die Pflanzendichte an einem der Langzeitmonitoring Standorte in den Rocky Mountains.

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