General oder Dirigent: Wie Chefs Unternehmen führen

28. September 2015, 09:00
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Wenn Führungskräfte und Mitarbeiter die interne Art der Zusammenarbeit ganz unterschiedlich bewerten, sind Konflikte vorprogrammiert

Wird ein wichtiges Unternehmensziel nicht erreicht, werden Gründe dafür an vielen Orten gesucht, selten aber in der Kommunikation. "Der wirtschaftliche Erfolg einer Organisation hängt mindestens genau so stark von der internen und externen Zusammenarbeit ab wie beispielsweise von der Positionierung im Wettbewerb", sagt Jan Krims, Senior Manager bei Deloitte Consulting und dort für das Beratungsfeld Leadership und Change verantwortlich. Er habe des Öfteren erlebt, dass Vorstand oder Geschäftsführung voller Verwunderung feststellten, dass bestimmte Strategien nicht zum erhofften Ziel führten, obwohl doch jeder gewusst habe, was zu tun sei. Ganz so klar ist das in den meisten Fällen aber nicht.

Vom General bis zum Dirigent

Bei Deloitte hat man sich in den vergangenen Jahren deshalb intensiv mit den Bildern von Zusammenarbeit und Führungsstrukturen befasst. In der Recherche wurden 60 Global Players analysiert und nach wichtigen Variablen für gelungenes Miteinander durchleuchtet. Das Ergebnis hört sich zunächst ungewöhnlich an: Großgrundbesitzer und Pächter, Produzenten und Kreativteams, Generäle und Soldaten und fünf weitere Paarungen bilden die "As One"-Archetypen. Bei Deloitte werden sie bereits zur Analyse in Projekten verwendet.

Vielsagende Bilder

Damit eine große Gruppe von Menschen gemeinsam für ein Ziel arbeite, müsse verstanden werden, wie Führung im eigenen Haus wahrgenommen wird – das gelinge in Bildern am besten, denn die meisten können bei der Vorlage der Archetypen sofort einschätzen, ob die tägliche Zusammenarbeit eher einem Orchester entspricht oder ob – wie in einer Sportmannschaft – kaum Hierarchie herrscht. Diese erste Einschätzung würde sich im Laufe eines Projekts aber häufig verändern, sagt Krims, und sei im gleichen Unternehmen oft höchst unterschiedlich.

Was heißt das konkret? Krims erzählt von einem Projekt: Ein Merger auf internationaler Ebene war über die Bühne gegangen. Das Unternehmen stellte sich nun die Frage, ob es Sinn mache, beide Organisationen vollkommen verschmelzen zu lassen, oder ob besser beide mit ihrem jeweiligen Unternehmenskulturen nebeneinander bestehen sollten. "Eine weitreichende Integration hätte hier überhaupt keinen Sinn gemacht. Die Kulturen waren viel zu unterschiedlich", sagt Krims.

Zusammenarbeit unter schwierigen Voraussetzungen

In einem anderen Unternehmen zeigte die Untersuchung, dass sich die Führungskräfte im Sinne der Archetypen als Generäle verstanden, die Mitarbeiter sahen ihre Rolle aber als Handwerker. In der Zusammenarbeit wirkt sich das Ungleichgewicht natürlich ungünstig aus: Der General teilt Befehle aus und erwartet von seinen Soldaten sofortige und unhinterfragte Umsetzung. Hierarchie ist wichtig. Handwerker wünschen sich eher den Architekten, der ihnen zur Erreichung der Ziele Freiheiten gibt. Sie sehen sich als Experten auf ihrem Gebiet, nicht als Erfüller einer Vorgabe.

Das Aha-Erlebnis nach derartigen Analysen sorge oft für einen völlig neuen Umgang zwischen Führungskräften und Mitarbeitern im Unternehmen, sagt Krims. Zur besseren Einschätzung sind nicht nur die Eigenschaften der einzelnen Archetypen beschrieben, Beispiele von Unternehmen bringen die Verhaltensmuster in einen Kontext. So sei der Apple App Store etwa ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit à la Großgrundbesitzer und Pächter: Apple diktiert die Regeln für alle Entwickler, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen, um ihre Apps im App Store anbieten zu können. Die Zusammenarbeit läuft ganz klar "top-down", die Entwickler wissen, dass sie sich daran halten müssen, wenn sie sich einmal für die Regeln entschieden haben.

Keine Frage des Alters

Auch die bekannten Beispiele würden aber nicht immer zur Umsetzung in der eigenen Firma führen. Festgefahrene Menschen- und Führungsbilder würden dem entgegenwirken, sagt Krims.Gibt es da einen Generationenunterschied? Nein, so die Einschätzung von Krims, das habe mit dem Alter wenig zu tun. Wie man auf Kollegen, Vorgesetzte oder auf Zusammenarbeit ganz allgemein blickt, sei eine Sache des Hinhörens und Hinschauens. (lhag, 28.9.2015)

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