Vier von zehn Chefs sehen Burnout als Schwäche

1. Oktober 2015, 09:00
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Umfrage unter Führungskräften ergibt: Das Bewusstsein über Gesundheit und Erschöpfung ist deutlich verbesserungswürdig

Trotz gesteigerten Bewusstseins wächst die Zahl der Burnout-Fälle kontinuierlich. Die Alarmsignale werden wohl allzu oft ignoriert. 68 Prozent der befragten Führungskräfte sind der Meinung, dass Burnout häufig übersehen und damit zu spät erkannt wird. Das geht aus dem Hernstein Management-Report hervor, der über 1.000 Führungskräfte in Österreich und Deutschland befragte.

Nur 40 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass den Betroffenen rasche Hilfe und Unterstützung angeboten wird. 37 Prozent sagen: Burnout wird in ihrem Unternehmen totgeschwiegen. Es gibt zwar derartige Fälle, aber man spricht nicht darüber. 43 Prozent sehen Burnout als Überlastungsphänomen, für das auch die Unternehmen Mitverantwortung tragen. Acht von zehn Führungskräften haben bereits Burnoutfälle im eigenen Unternehmen erlebt. Vier von zehn waren mit Burnoutfällen bei den eigenen – direkt geführten – Mitarbeitenden konfrontiert. Hernstein-Chefin Eva-Maria Ayberk: "Das Phänomen Burnout ist von einer großen Ambivalenz geprägt." 42 Prozent der Befragten nehmen Burnout als ein Zeichen von Schwäche und nicht genügender Leistungsfähigkeit wahr. 30 Prozent sehen es als Folge von sehr hohem Engagement, das unter Führungskräften inzwischen salonfähig ist.

Wer hat Gesundheitsmanagement?

Wie zu erwarten, steigt die Wahrscheinlichkeit eines umfassenden Programms mit der Unternehmensgröße. Während nur rund zehn Prozent der mittleren Unternehmen über ein dezidiertes Programm verfügen, sind es bei Großunternehmen ab 250 Mitarbeitenden schon rund 25 Prozent. Werden auch die Einzelmaßnahmen hinzugerechnet, sind es zwei Drittel aller Großunternehmen.

Der Stellenwert der Evaluierung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz hat in den letzten Jahren sehr stark zugenommen. Das Ziel dabei: Gefährdungspotenziale der psychischen Belastungen am Arbeitsplatz aufzuzeigen. Dennoch: Evaluierungen sind wohl immer noch eher die Ausnahme als die Regel. Nur 30 Prozent haben bis dato persönliche Erfahrungen damit gemacht, 54 Prozent hatten bisher keine Berührungspunkte. Während in Deutschland rund 20 Prozent der befragten Führungskräfte im Unternehmen durchgeführte Evaluierungen bestätigen, sind es in Österreich mit rund 40 Prozent doppelt so viele. "Durch gesetzliche Initiativen gewinnt das Thema an Sichtbarkeit", sagt Ayberk. (red, 1.10.2015)

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