NSU-Prozess: Unbekannte Frau hinterließ Spuren im Fluchtversteck

24. September 2015, 14:21
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Gutachter hatte 39 Zigarettenstummel untersucht

München – Zwei Tage lang hat ein Kriminalbiologe im deutschen NSU-Prozess ausgesagt. Er hat DNA-Spuren aus dem Versteck der mutmaßlichen Rechtsterroristen untersucht. Die Ergebnisse sind brisant: Im zerstörten Fluchthaus des mutmaßlichen deutschen NSU-Terrortrios in Zwickau haben Ermittler Genmaterial einer unbekannten Frau entdeckt.

Das berichtete der Kriminalbiologe des Bundeskriminalamtes am Donnerstag als Sachverständiger im Münchner NSU-Prozess. Der Gutachter hatte 39 Zigarettenstummel untersucht, die im Keller des Fluchthauses gefunden worden waren. Den Kellerraum hatte das Trio nach Erkenntnis der Ermittler mit einer Stahltür gesichert, die die mutmaßlichen Rechtsterroristen selber eingebaut haben sollen.

Die Qualität der DNA auf den Zigarettenresten sei gut, sagte der Sachverständige. "Da haben wir ein vollständiges Muster." Es gebe aber keine Vergleichs-DNA einer konkreten Person, der die Genspuren auf den Zigarettenresten zugeordnet werden könnten.

Hauptangeklagte im NSU-Prozess ist Beate Zschäpe. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr Mittäterschaft bei den zehn Morden des "Nationalsozialistischen Untergrunds" vor. Die Opfer waren neun Kleinunternehmer türkischer und griechischer Herkunft sowie eine Polizistin.

Spuren durch Brandlegung verwischt

Nach dem Auffliegen des Trios soll Zschäpe laut Anklage die Fluchtwohnung angezündet und zerstört haben, um Spuren zu verwischen. Ihre beiden mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sollen sich zuvor nach einem missglückten Banküberfall in Eisenach das Leben genommen haben.

Der BKA-Experte berichtete am zweiten Tag seiner Befragung auch über DNA-Spuren an zahlreichen weiteren Gegenständen. An mehreren Kleidungsstücken habe sich Erbsubstanz befunden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit von Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt stammte.

An anderen Gegenständen habe sich DNA befunden, die zu dem wegen Beihilfe angeklagten Andre E., seiner damaligen Frau und eines seiner Kinder passe. Andre E. könne als "Spurenverursacher" aber nicht eindeutig bestimmt werden, weil er einen Zwillingsbruder hat. Bei eineiigen Zwillingen seien die DNA-Sequenzen identisch. (APA, 24.9.2015)

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