Mordprozess: 17 Stiche für beleidigten Propheten

24. September 2015, 15:49
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Ein 17-Jähriger soll einen 31-Jährigen erstochen haben, nachdem dieser den Islam beleidigt haben soll – da er leidenschaftlicher Musiker war

Wien – "Ich scheiße auf Gott, den Propheten und die Religion, die mir die Musik verbietet", soll das 31-jährige Opfer am 9. März in einer AMS-Schulung Reshad Z. zugerufen haben. Das erzählt zumindest der 17-jährige Angeklagte dem Geschworenengericht unter Vorsitz von Norbert Gerstberger. Nur: Die Blasphemie sei nicht der Auslöser gewesen, warum Z. seinen Kontrahenten am nächsten Tag mit 17 Messerstichen getötet hat. Sondern Angst.

"Das, was passiert ist, ist ganz schlecht", sagt der Teenager nun. Und: "Ich bin sehr schuldig." Auf Gerstbergers Nachfrage, ob er sich des Mordes schuldig bekennt, relativiert Z. dann aber: "Ich wollte ihn nicht umbringen." Er sei am 10. März mit einem langen Keramikmesser in das AMS-Gebäude gekommen, um sich selbst verteidigen zu können.

Das Opfer, Musiker und zweifacher Vater, hatte am 9. März bei einem Referat über seine Leidenschaft für Musik berichtet. Am Ende der Stunde sprach Z. und erwähnte, er höre keine Musik, da das im Islam verboten sei. Worauf es zwischen den beiden Afghanen zum Wortgefecht kam.

Gefälschte Unterschrift

Bis zu diesem Punkt stimmt die Aussage des 17-Jährigen noch ungefähr mit jener überein, die er nach seiner Festnahme bei der Polizei getätigt hatte. Dann wird es seltsam: Denn plötzlich behauptet der Teenager, die Polizisten hätten das gesamte Protokoll samt seinen Unterschriften gefälscht.

Damals hatte er noch gesagt, er habe sich so über die Beleidigung seiner Religion und seiner Familie geärgert, dass er beschlossen habe, den 31-Jährigen zu töten. Er habe noch am Abend ein Messer eingepackt, am nächsten Nachmittag auf sein Opfer gewartet und dieses ohne Vorwarnung attackiert.

Gerstberger will er nun von einer gänzlich anderen Version überzeugen. Schon am 9. März habe ihn der 31-Jährige nach dem Kurs körperlich attackiert – was kein Zeuge bestätigt. Auch am Tattag sei er ohne Vorwarnung angegriffen worden. "Er hat mich gestoßen, dass ich mich zweimal überschlagen habe", behauptet er. Dann sei er gewürgt und mit Faustschlägen gegen den Kopf traktiert worden – Verletzungsspuren hatte er keine. Er habe das Messer gezogen und nur gegen die Hand stechen wollen, habe aber den Bauch getroffen. Dann setzt seine Erinnerung aus – die Lücke soll zu Gerstbergers Unglauben einen Monat angedauert haben.

Für weitere Zeugen wird auf November vertagt. (Michael Möseneder, 24.9.2015)

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