Med-Uni Wien beklagt kritischen Zustand

24. September 2015, 17:03
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Neubau für vorklinische Fächer notwendig, sonst muss Zahl der Studienplätze gesenkt werden

Wien – Die Medizinische Universität Wien braucht Geld: Der Hilferuf kommt vom scheidenden Rektor Wolfgang Schütz und seinem Nachfolger, dem derzeitigen Vizerektor Markus Müller. 200 Millionen Euro mehr forderte Müller vergangene Woche im STANDARD-Interview für seine Uni. Die Verhandlungen über die Leistungsvereinbarung 2016 bis 2018 laufen, die Vorstellungen von Med-Uni und Wissenschaftsministerium klaffen laut Schütz um 100 Millionen auseinander. Das Geld sei vor allem nötig, um den Status quo zu erhalten.

"Wir sind in einer kritischen Situation", betont Schütz. Es sei "kein Platz für Luxus". Die Personalkosten machen 90 Prozent des Uni-Budgets aus, durch die erhöhten Ärztegehälter entstehe ein Mehrbedarf von 20 Millionen Euro pro Jahr. Denn die neue Betriebsvereinbarung für das AKH zwischen Betriebsrat und Rektorat ist seit vergangener Woche unterschrieben. Neben einer einmaligen Zahlung von 8.000 Euro pro Arzt werden die Ärztegehälter am 1. Jänner 2016 um 20 Prozent erhöht und am 1. Jänner 2019 noch einmal um zehn Prozent.

"Mehr Probleme mit Bund als mit Gemeinde Wien"

Geld wird aber auch noch an anderer Stelle gebraucht: Das AKH ist veraltet, Investitionen dringend notwendig. Der Investitionsbedarf liegt laut Schütz bei 1,2 Milliarden Euro im baulichen Bereich, 770 Millionen werden für Geräte benötigt. Das werde über den klinischen Mehraufwand geregelt, einen Betrag, den der Bund der Stadt Wien zahlt, weil das AKH neben Patientenversorgung auch für Lehre und Forschung zuständig ist.

Für die Zuspitzung war dann Erhard Busek zuständig: Der frühere Wissenschaftsminister (ÖVP) und heutige Uniratsvorsitzende beklagte, dass es derzeit mit dem "Bund mehr Schwierigkeiten gibt als mit der Gemeinde Wien". Doch die Stadt will nur zustimmen, wenn der Bund Med-Uni und AKH im gleichen Ausmaß unterstützt wie bisher. Der aber will seinen Anteil reduzieren. Derzeit zahlt der Bund 50 Prozent bei Gebäuden und ein Drittel bei Geräten.

Schütz: Neubau oder Studienplatzreduktion

Besonders deutlich wird der Bedarf laut Schütz bei den vorklinischen Fächern, die in der Schwarzspanierstraße untergebracht sind. Der bauliche Zustand sei schlecht, das Gebäude werde vermutlich bald vom Arbeitsinspektorat gesperrt, ein Neubau sei dringend notwendig. Die Med-Uni habe dazu schon einen Grund erworben, bis der Neubau aber finanziert werden kann, seien mindesten 250 Millionen Euro notwendig. Wenn das nicht bald zugesichert werde, müsse die Uni improvisieren und die Zahl der Studienplätze reduzieren, sagt Schütz in Richtung Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP).

Sein Nachfolger Müller will nicht so stark an der Eskalationsschraube drehen. Er bezeichnet das AKH als "too big to fail", Spital und Med-Uni haben eine systemrelevante Rolle, weil sie die meisten Studienplätze anbieten und die meisten Fachärzte ausbilden. Der Bund profitiere. Trotzdem hat Müller Sorge, den Anschluss an die "Innovation Leader" in Europa zu verlieren, und beklagt sich, dass die Med-Uni nur noch als Kostenfaktor gesehen werde.

Bis Jahresende müssen sich Med-Uni Wien und Bund einigen, aber es muss auch ein Konsens mit Stadt und Bund über die Neuregelung des klinischen Mehraufwands gefunden werden.

Das Wissenschaftsministerium verweist auf die Verhandlungen mit allen Universitäten. Der klinische Mehraufwand soll auf neue Beine gestellt werden. (Marie-Theres Egyed, 24.9.2015)

  • Die Wiener Med-Uni fordert ein neues Gebäude für vorklinische Fächer. Wird das nicht gebaut, muss die Anzahl der Studienplätze reduziert werden, droht der scheidende Rektor Wolfgang Schütz.
    foto: apa/schlager

    Die Wiener Med-Uni fordert ein neues Gebäude für vorklinische Fächer. Wird das nicht gebaut, muss die Anzahl der Studienplätze reduziert werden, droht der scheidende Rektor Wolfgang Schütz.

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