Verschollenes Bild: "Ein stärkeres Bauchgefühl als alles andere"

24. September 2015, 13:03
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Der heute 87-jährige Edward Engelberg wurde mit einem Gemälde konfrontiert, das ihm das Leben gerettet haben könnte

Ein Gemälde des wenig bekannten Malers Otto Theodor Stein soll dem heute 87-jährigen Edward Engelberg und seiner in den USA lebenden Familie im November 1938 das Leben gerettet haben. Wochenlang war das deutsche Journalistenteam "Follow the Money" im Rahmen einer interaktiven Spurensuche unterwegs, ohne dass das Frauenporträt aufgespürt werden konnte. Jenes Bild, das am stärksten jenem Gemälde gleicht, das sich nach wie vor im Besitz der Familie befindet, wurde Engelberg nun nach einer ersten Sichtung von Reproduktionen auch im Original vorgeführt.

foto: follow the money
Edward Engelberg in seiner Wohnung in Portland.

"Es ist unglaublich, unglaublich. Es ist dem anderen Gemälde so ähnlich", kommentierte Engelberg laut dem jüngsten Blog-Eintrag der Journalisten den Anblick des 1917 entstandenen Werks von Stein. Das in München aufgetriebene, nun in Engelbergs Wohnung nach Portland gebrachte Bild löse ein "stärkeres Bauchgefühl aus als alles andere", was er bisher gesehen habe. Entstehungsjahr, Fundort und Größe passen. Dennoch bleiben die bereits bekannten Zweifel.

So sprach Engelberg in der Vergangenheit immer davon, dass seine Mutter das Bild zusammengerollt hatte, bevor sie damit ein Visum für die Flucht der deutsch-jüdischen Familie über die Schweiz in die USA besorgen konnte. Das gefundene Bild ist auf Pappe gemalt und lässt sich nicht rollen. Wie zuverlässig diese Erinnerung des damals Neunjährigen ist und ob die Mutter das Bild vielmehr eingewickelt habe, wagt Engelberg nach wie vor nicht zu sagen: "Weil es meiner 'Mona Lisa' so sehr ähnelt, löst es eine Menge Reaktionen in mir aus. Aber ich kann ganz einfach nicht hundertprozentig sicher sein."

foto: follow the money

Nach zahlreichen Sackgassen deuten für das "Follow the Money"-Team mehr Indizien denn je darauf hin, dass es sich bei dem gefundenen Bild um das richtige handelt, ohne dass es absolute Gewissheit gibt. Hauptergebnis bleiben die Verstrickungen, die man exemplarisch für die unzähligen während der NS-Zeit anonym im Privatbesitz verschollenen Kunstwerke aufzeigen wollte. Diese werden auch im Fokus jener abschließenden Filmdokumentation sein, die Ende des Jahres von ORF, SRF und Bayerischem Rundfunk gezeigt wird. (red, 24.9.2015)

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