Ehe für alle bis Abtreibung: Streitthemen beim Papstbesuch in USA

24. September 2015, 09:49
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Abtreibung, Verhütung, Ehe für alle: Zahlreiche Reizthemen stehen auf der Agenda vom US-Präsidenten Barack Obama und Papst Franziskus

Vatikanstadt/Washington – In den USA erwartet Papst Franziskus ein gewaltiger Empfang. Doch die ihm zujubelnden Massen sollten nicht über die vielen Konflikte hinwegtäuschen, die es zwischen dem Oberhaupt der katholischen Kirche und US-Präsident Barack Obama sowie einem Großteil der Amerikaner gibt. Vielleicht klammert der Papst die Reizthemen aus und vermeidet es, sich rund ein Jahr vor den US-Wahlen in eine mögliche politische Wende einzumischen. Neben den Streitthemen Klima- und Einwanderungspolitik stehen folgende Themen im Fokus:

Abtreibung

Die Frage um das Recht auf Abtreibung spaltet die amerikanische Gesellschaft wie kaum eine zweite. Die Fronten sind verhärtet, die Rhetorik äußerst scharf. Auch viele der 70 Millionen Katholiken in den USA (knapp ein Viertel der Bevölkerung) sprechen sich nach Umfragen für Abtreibung aus: 2013 war die Hälfte weißer und hispanischer Katholiken dafür, Abtreibung in den meisten Fällen zu genehmigen. In der katholischen Kirche ist sie dagegen eine der schwersten Sünden und bedeutet die automatische Exkommunikation.

Abtreibungs-Befürworter Obama hat sich in der Frage schon öfter mit der amerikanische Bischofskonferenz angelegt. Seine als "Obamacare" bekannte Gesundheitsreform stellt es den 50 Bundesstaaten frei, ob sie auch Krankenversicherungen anbieten wollen, die Kosten einer Abtreibung decken. Zum Papst-Empfang im Weißen Haus hat der Präsident gar eine Nonne eingeladen, die zum Thema schweigt – Schwester Simone Campbell und ihre katholische Lobbyorganisation Network wurden vom Vatikan deshalb bereits offen kritisiert.

Vergeben und Vergessen

Papst Franziskus ist sich der Sprengkraft des Streits bewusst und wollte das heiße Thema kurz vor seiner USA-Reise offensichtlich abkühlen. Anfang September erlaubte er allen Priestern, Frauen die Abtreibung zu vergeben – allerdings nur während des bevorstehenden, im Dezember beginnenden Heiligen Jahres. Selbst wenn der Schutz des menschlichen Lebens von der Zeugung bis zum Tod für ihn an oberster Stelle steht, will er damit vermutlich einen Schritt auf Katholiken zugehen, die sich von der katholischen Kirche entfremdet fühlen.

Verhütung

Ähnlich aufgeladen ist die Debatte um Familienplanung und Verhütungsmittel. Mit seiner katholischen Sexualmoral steht Papst Franziskus in der kompromisslosen Tradition seiner Vorgänger. In den USA sind nach Umfragen dagegen etwa drei Viertel der Katholiken der Ansicht, dass Verhütung erlaubt sein sollte. Auch "Obamacare" schreibt vor, dass Arbeitgeber in ihren Krankenversicherungen die Übernahme 18 verschiedener Verhütungsmittel anbieten müssen.

Ehe für Lesben und Schwule

Das historische Urteil des höchsten US-Gerichts, dass die Ehe von Schwulen und Lesben im Juni landesweit für legal erklärt hatte, dürfte auch im Vatikan Wellen geschlagen haben. Dieser hatte etwa das irische Ja zur Ehe für homosexuelle Paare in ungewöhnlich scharfen Worten als "Niederlage für die Menschheit" kritisiert. Papst Franziskus gab sich in dieser Frage zwar 2013 offener: "Wenn jemand schwul ist und er den Herrn sucht und guten Willen zeigt, wer bin ich, das zu verurteilen." Dennoch lehnt der die Ehe für alle ab.

Dem Vatikan dürfte es übel aufstoßen, dass Obama zum Empfang im Weißen Haus auch einen Transgender-Aktivisten sowie mit Gene Robinson den ersten öffentlich schwulen Bischof der Episkopalkirche eingeladen hat. Obama wirbt im In- und Ausland für die Gleichstellung Homosexueller und treibt dies in allen Ministerien und Behörden seiner Regierung voran. Erst am Freitag nominierte er mit Eric Fanning den ersten öffentlich schwulen Heeresminister. Die US-Katholiken sind beim Thema Homosexualität gespalten. (APA, 23.09.2015)

  • Franziskus gilt als ein vergleichsweise weltoffener Papst
    foto: apa

    Franziskus gilt als ein vergleichsweise weltoffener Papst

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