Winterkorn-Rücktritt: VW-Notbremsung

Kommentar23. September 2015, 20:07
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Der Ruf des Zwölfmarkenkonzerns ist auf Jahre ramponiert

Nun hat VW Gas gegeben und Konsequenzen aus dem Abgasskandal gezogen. Der Abgang von Konzernchef Martin Winterkorn kam keinen Tag zu früh. Bei "Dieselgate" geht es nicht "nur" um die Zukunft von Volkswagen und 600.000 Mitarbeitern, sondern auch um das Image der deutschen Industrie und – ganz grundsätzlich – die Frage von Ethik und Ökologie in der gesamten Wirtschaft.

In all diesen Punkten stellt die Affäre eine extreme Belastung dar. Volkswagen hat nicht bloß ein Drittel seines Börsenwerts eingebüßt, der Konzern muss neben horrenden Strafen eine Klagswelle von Verbrauchern befürchten. Der Ruf des Zwölfmarkenkonzerns ist ohnehin auf Jahre ramponiert. Die deutsche Industrie erobert seit langem nicht wegen niedriger Preise die Weltmärkte, sondern wegen hoher Qualität, Innovationskraft und guten Images. "Made in Germany" droht durch Manipulation am laufenden Band zur Farce zu verkommen.

Die Notbremsung bei VW war daher unabhängig von der Frage persönlicher Verfehlungen oder Mitwisserschaft höchst an der Zeit. Winterkorn trägt als Vorstandsvorsitzender die Verantwortung. Und er tut dies umso mehr, als die US-Umweltbehörde Volkswagen schon seit geraumer Zeit mit dem Thema befasst hat. Das plötzliche Aufklärungsfeuer wurde letztlich erst durch das Platzen der Abgasbombe entfacht. Das lässt tief blicken. Und auf einen tiefen Reinigungsprozess im Management hoffen. (Andreas Schnauder, 23.9.2015)

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