Sozialpartner einig: Kindergärten sollen zu Bund

23. September 2015, 16:55
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Sozialpartner und Industriellenvereinigung stellen gemeinsame Forderungen vor. Auch Heinisch-Hosek kann sich Bundesverantwortung vorstellen

Wien – Ein zweites Kindergartenpflichtjahr, die Zuständigkeitsverlagerung zum Bund und eine gesicherte Finanzierung werden von den Sozialpartnern gemeinsam mit der Industriellenvereinigung (IV) gefordert. "Bilden wir die Kinder gut aus, dann können wir uns auf die Zukunft freuen", sagt WKÖ-Präsident Christoph Leitl.

Eine Änderung in der Bundesverfassung soll die Kompetenz zum Bund verlagern und ein Bundesrahmengesetz einheitliche Standards und ihre Verbindlichkeit regeln. Die zuständige Bildungsministerin Heinisch-Hosek würde den Vorschlag begrüßen.

Zehn-Punkte-Programm

Zusätzlich verlange man mehr Kindergartenplätze, längere Öffnungszeiten und eine bessere Ausbildung beim Personal. Das gemeinsam erarbeitete Programm zur Weiterentwicklung der Elementarbildung umfasst zehn Punkte. Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske fordert "Chancengerechtigkeit. Das zweite kostenlose Kindergartenjahr muss kommen, und zur Finanzierung des Ausbaus muss die Anstoßfinanzierungen des Bundes fortgesetzt werden."

Die pädagogische Ausbildung soll schrittweise akademisch werden und zur Sicherung ausreichend qualifizierten Personals beitragen. Wichtig seien längere Öffnungszeiten, weil Kindergärten in Österreich momentan durchschnittlich 27 Tage pro Jahr geschlossen hätten, erklärt Kaske. "Eltern müssen jedoch die Möglichkeit bekommen, einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen zu können." Zwischen Kindergärten und Volksschulen solle der pädagogische Austausch verbessert werden, um "Brüche im System", zu vermeiden, sagt IV-Präsident Georg Kapsch. Die Übergänge müssten fließender verlaufen.

Mehr Männer

Im Kindergarten sollen künftig mehr Männer arbeiten, das würde zur Diversität beitragen und laut ÖGB-Vizepräsidentin Renate Anderl wohl dazu führen, dass die Gehälter für Pädagoginnen und Pädagogen längerfristig stiegen. Mehr Personal mit Migrationshintergrund solle zum Einsatz kommen und mehrsprachig, interkulturell und gendersensibel geschult sein. Über die genaue Pro-Kopf-Finanzierung müsse noch verhandelt werden.

Einig sind sich die Sozialpartner mit der IV beim Kindergartenimage. Denn "der Kindergarten ist schon lange kein Aufbewahrungsort mehr, sondern eine Kinderbildungseinrichtung". (Victoria Windtner/APA, 23.9.2015)

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