Österreich wurde familienfreundlicher

23. September 2015, 13:54
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63 Prozent sehen Österreich als familienfreundlich. Aufholbedarf gibt es bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Wien – Österreich ist am Weg hin zu mehr Familienfreundlichkeit. Während im Jahr 2012 31 Prozent das Land als familienfreundlich einschätzten, sind es aktuell 63 Prozent, präsentierte die Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) am Mittwoch die Ergebnisse des Familienfreundlichkeits-Monitors 2015. Aufholbedarf gibt es allerdings bei der Vereinbarkeit oder dem Frauenanteil in Führungspositionen.

Karmasin verwies auf ihr "erklärtes Ziel", Österreich zum familienfreundlichsten Land Europas zu machen. Überprüft wird dieses anhand von zehn Indikatoren des im Vorjahr vorgestellten Monitors, der einmal jährlich aktualisiert wird. Die aktuell verfügbaren Indikatoren, darunter Familienfreundlichkeit, Fertilitätsrate, Kinderbetreuung oder Familienunternehmen, weisen alle eine positive Entwicklung auf, zeigte sich die Ministerin bei der Pressekonferenz erfreut.

Mehr Kinder in Familien

"Sehr erfreulich" sei die Steigerung bei der Einschätzung der Familienfreundlichkeit mit aktuell 63 Prozent. "Das bestätigt, dass wir unsere Benchmark erreichen können", sagt Karmasin. Ein Unterschied zeigt sich bei der Betrachtung der Bundesländer, so wird die Familienfreundlichkeit im Burgenland etwa höher eingeschätzt als in Salzburg oder Wien.

Die Zahl der Familien mit Kindern im Haushalt ist insgesamt leicht steigend (2013: 1.386.000; 2014: 1.388.500), ebenso die Fertilitätsrate (2013: 1,44 Kinder pro Frau; 2014: 1,46 Kinder pro Frau). Ziel sei es hier, dass die Fertilitätsrate dem Kinderwunsch von zwei entspricht, erklärte die Ministerin. Was die Verteilung der familienpolitischen Leistungen betrifft, spricht sich Karmasin für weniger Geldleistungen und mehr Investitionen in die Infrastruktur aus. Die Väterbeteiligung ist in allen Kindergeld-Varianten gestiegen und beläuft sich insgesamt auf rund 18,1 Prozent. Bis 2018 soll sie ein Viertel betragen, verwies Karmasin hier etwa auf den geplanten Partnerschaftsbonus.

Betreuungsquote leicht gestiegen

Die Betreuungsquote ist sowohl bei den Unter-Dreijährigen von 25,1 Prozent im Jahr 2013 auf 25,9 Prozent 2014 als auch den Drei- bis Sechsjährigen von 92,8 auf 94 Prozent gestiegen. Karmasin sprach von einer "ansehnlichen Steigerung" und erwartet sich durch die Ausbauoffensive im Vorjahr für 2015 einen "massiven Anstieg". Durch den gestrigen Beschluss der 15a-Vereinbarung mit den verpflichtenden Elterngesprächen rechnet sich auch bei den Vierjährigen "rasch" mit Werten wie bei den Vorschulkindern. 2014 belief sich die Betreuungsquote bei der Vierjährigen auf 95,3 Prozent, bei den Fünfjährigen auf 97,9 Prozent. Entgegen den Erwartungen ist die Quote bei den bis zu Zweijährigen in Wien etwas zurückgegangen von 40,7 auf 40,4 Prozent (2014), meinte die Ministerin.

Insgesamt wurden im Vorjahr 3.619 neue Betreuungsplätze geschaffen. Bei 4.541 bestehenden Plätze wurden etwa die Öffnungszeiten verbessert, um dem Vereinbarkeitsindikator für Familie und Beruf (VIF) zu entsprechen. Bis 2018 sollen 12.000 neue Betreuungsplätze sowie 20.000 neue VIF-konforme Plätze entstehen, erklärte Karmasin.

Aufholbedarf bei Vereinbarkeit

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird von rund einem Viertel sehr gut oder gut eingeschätzt. Etwas mehr als die Hälfte hält die Situation allerdings nur für befriedigend, 23 Prozent für nicht befriedigend. Die Vereinbarkeit sei besser geworden, diesen Weg müsse man aber weitergehen, sagt Karmasin.

Verbesserungspotenzial ortet sie auch bei der Zahl von Frauen in Führungspositionen. Hier sieht die Ministerin auch die Politik selbst gefordert, zumal der Frauenanteil im Nationalrat (30,6 Prozent) zuletzt gesunken ist. Nach der nächsten Nationalratswahl sollte der Frauenanteil auf 40 Prozent steigen, fordert die Ministerin. (APA, 23.10.2015)

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