Papst beeindruckt zu Auftakt von USA-Besuch mit Kleinwagen-Fahrt

23. September 2015, 13:50
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Franziskus' Fahrt im italienischen Kleinwagen sorgt in den USA für Schlagzeilen

Washington/Vatikanstadt – Papst Franziskus hat mit seinem Kleinwagen in Washington für Aufsehen gesorgt. Nach der Ankunft auf dem Militärstützpunkt Andrews Air Force Base bestieg er einen anthrazitfarbenen Fiat 500L, um die halbstündige Strecke zu seinem Quartier in der Vatikanbotschaft zurückzulegen. "Papst erobert Amerika im Fiat", titelte die Zeitung "San Diego Union-Tribune".

Der britische "Independent" schrieb, Franziskus bringe "dringend benötigtes italienisches Flair" in seinen USA-Besuch. Als ungewöhnlich wurde verzeichnet, dass Franziskus sofort nach dem Einsteigen die Seitenfenster herunterfuhr, um den Menschen zuwinken zu können – für den US-Präsidenten aus Sicherheitsgründen ein Unding. Barack Obama benutzt üblicherweise eine "The Beast" genannte Panzerlimousine mit eigener Sauerstoffversorgung, Nachtsichtgerät und einem geschätzten Verbrauch von 29 Litern pro 100 Kilometer.

Im Garten des Präsidenten

Der Besuch, so wurde vermutet, sollte trotz dieser Unterschiede freundlich verlaufen. Bei der bisher einzigen Audienz des Papstes für US-Präsident Barack Obama (50 Minuten) im Vatikan im März 2014 war das Bild harmonisch. Obama zeigt sich als "großer Bewunderer" des Pontifex. Er schenkt ihm Obst- und Gemüsesamen aus dem Garten des Weißen Hauses – verbunden mit einer Einladung und dem Versprechen, Franziskus beim Gegenbesuch den Garten zu zeigen.

Obama schätzt es grundsätzlich, dass Franziskus sich in Probleme einmischt, deren Lösung sonst der Politik überlassen wird. Auch die Annäherung zwischen den USA und Kuba – bei der Franziskus wichtiger Vermittler war – hat beide enger zusammengebracht.

Auch in den USA schrumpft die Kirche

Der Papst trifft in den USA auf eine Kirche im Zeitenwandel. Nicht nur Zahlen und Entwicklungen hierzulande hätten eigentlich einen Besuch in Kalifornien nahegelegt, auch die Heiligsprechung des Junipero Serras, der dort im 18. Jahrhundert missionierte. Die katholische Kirche, sie wird in Nordamerika immer südlicher.

An der Ostküste, an der sich Franziskus ausschließlich aufhalten wird, werden Gotteshäuser geschlossen, Pfarreien zusammengelegt, heilige Messen sind oft kaum besucht. Ganz anders im Westen und im Südwesten, wo die meisten ordinierten Pfarrer Hispanier sind. Im Jahr 2014 taufte die Erzdiözese Los Angeles 70.000 Kinder. Das ist die Summer aller Taufen der Großstädte Washington, Philadelphia, New York und Chicago.

Franziskus, dem lateinamerikanischen Papst, ist diese Verschiebung der kirchlichen Machtachsen sehr bewusst.

Die Flüchtlingskrise ist ein Thema, das den Papst bewegt, und bei dem er auf Obamas Unterstützung hofft. "Das Schicksal der Flüchtlinge ist ein großes Anliegen des Papstes", sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin vor der Reise. Auf der Erfahrung des Einwanderungslandes USA könnten "wir alle aufbauen, um die heutigen Probleme anzugehen."

Begeisterung bei Republikanern beschränkt

Auch im Kampf gegen den Klimawandel hat der Papst in Obama einen mächtigen Verbündeten – und umgekehrt. Der US-Präsident lobte ausdrücklich die Öko-Enzyklika des Kirchenoberhauptes, während Franziskus sich zufrieden zeigte mit der Klima-Initiative Obamas.

Den US-Republikanern stößt all das mächtig auf. Sie wollen eigentlich, dass der Papst sich ganz aus der Politik heraushält.

Bei aller Nähe des Papstes zu Obama gibt es auch Spannungen, etwa bei Ehe- und Familienthemen wie der Homo-Ehe, Abtreibung oder Verhütung. Der hier sehr konservative Papst und der US-Amerikaner haben dazu grundverschiedene Positionen.

Wenn der Papst seine politischen Termine in den USA absolviert, sind Überraschungen gerade wegen des breiten Themenspektrums nicht ausgeschlossen. Der Papst spricht Dinge gerne offen an – und man kann sich bis zur letzten Minute nie sicher sein, was er tatsächlich sagen wird. Auch während seiner Kuba-Reise verzichtete er mehrmals auf die Rede-Manuskripte und sprach spontan frei. Eine aufmerksame Zuhörerschaft ist ihm gewiss. (red, APA, 23.9.2015)

  • Der Fiat 500 des Papstes neben den gepanzerten SUVs der amerikanischen Sicherheitsleute.
    foto: apa / epa / michael reynold

    Der Fiat 500 des Papstes neben den gepanzerten SUVs der amerikanischen Sicherheitsleute.

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