Die Mär von "bezahlten Helfern" am Westbahnhof

23. September 2015, 11:04
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Fremdenfeindliche Kreise behaupten, eine Vielzahl der freiwilligen Helfer wäre von Unternehmen engagiert worden

Waren die Massen an freiwilligen Helfern, die Flüchtlinge am Westbahnhof unterstützten, gar nicht aus sozialem Engagement vor Ort – sondern tatsächlich bezahlt? Dieses Gerücht wird momentan massiv in ausländerfeindlichen Kreisen auf Facebook gestreut. Auch namhafte FPÖ-Politiker verbreiten diesen Mythos, unter anderem EU-Mandatar Harald Vilimsky vor hunderttausenden Zusehern in der ORF-Diskussionssendung "Im Zentrum". Die Abgeordnete Dagmar Belakowitsch-Jenewein hat nun sogar eine parlamentarische Anfrage eingereicht, um dem vermeintlichen Skandal auf den Grund zu gehen.

"Asylpropaganda"

Die Verschwörungstheoretiker im Netz beziehen sich dabei – ebenso wie FPÖ-Politiker – auf eine Stellenausschreibung der Wiener Firma EasyStaff. Diese suchte für einen Einsatz am Westbahnhof mehrere "helfende Hände, die Nahrungsmittel verteilen und vor allem auch den Fahrgästen an den Bahnhöfen Infos über Anschlusszüge und Zugzeiten geben". Dafür bekämen diese einen Stundensatz von zehn Euro. Die Theorie einiger Facebook-Nutzer: Regierung/ÖBB/NGOs bezahlen die vielen Helfer am Westbahnhof, um den Eindruck einer Willkommenskultur vorzutäuschen. Dadurch werde "Asylpropaganda" betrieben.

Stellungnahme von easystaff zu dem Artikel auf der Website unzensuriert.at:easystaff unterstützt die ÖBB seit über...

Posted by easystaff Personaldienstleistungen GmbH on Sunday, September 13, 2015

Maximal acht Promotoren

Offenbar wollen diese Nutzer den Eindruck zerstreuen, dass viele Österreicher vorurteilsfrei und ohne Angst den vielen Flüchtlingen helfen möchten. Allerdings waren laut EasyStaff maximal acht Promotoren am Westbahnhof. Diese führten Arbeiten aus, die spezielle Kenntnisse erforderten und in enger Kooperation mit der ÖBB passierten, berichtet NZZ.at. In seltenen Fällen könnte es zur Ausgabe von Wasser oder Lebensmitteln kommen. Die ÖBB arbeite schon länger mit EasyStaff zusammen, etwa bei Großereignissen wie dem Eurovision Song Contest.

Caritas: "Verhöhnung der Helfer"

Fakt bleibt, dass tausende freiwillige Helfer sich (nicht nur) am Westbahnhof engagierten. Für diese sei es eine "Verhöhnung", mit solchen Aussagen konfrontiert zu sein, schrieb Caritas-Pressesprecher Klaus Schwertner auf Twitter.

Berichtet wurde von den vermeintlich bezahlten Freiwilligen übrigens zuerst auf dem FPÖ-nahen Portal "unzensuriert.at". Dort wird auch gegen Unternehmen, die Flüchtlinge unterstützen, geschrieben. (Fabian Schmid, 23.9.2015)

  • Freiwillige verteilen Essen am Westbahnhof
    foto: ap/zak

    Freiwillige verteilen Essen am Westbahnhof

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