Gratis Antivirensoftware: AVG will Nutzerdaten verkaufen

23. September 2015, 11:01
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Neue Datenschutzbestimmungen sorgen für Kritik – treten im Oktober in Kraft

Der Antivirensoftware-Hersteller AVG hat seine Datenschutzrichtlinie überarbeitet und räumt sich das Recht ein, gewisse Kundendaten in Zukunft zu verkaufen. Betroffen sind Nutzer der kostenlosen Version AVG Antivirus Free. Die Argumentation des Unternehmens: "Wir erfassen nicht personenbezogene Daten, um aus unseren kostenlosen Angeboten Geld zu verdienen, damit sie kostenlos bleiben."

Samt Browser- und Suchverlauf

In den Nutzungsbedingungen heißt es: "AVG gibt nicht personenbezogene Daten ggf. an Dritte weiter und zeigt aggregierte oder anonyme Daten ggf. öffentlich." Bei diesen Daten handelt es sich um die mit dem Gerät verbundenen Werbe-ID, den Browser- und Sucherverlauf inklusive Messedaten, Internetdienstanbieter oder Mobilfunknetz, das für die Verbindung zu den AVG-Produkten verwendet wurde sowie "Daten zu anderen Anwendungen, die Sie auf Ihrem Gerät haben, und wie sie genutzt werden".

Dabei weist AVG darauf hin, dass Browser- und Suchverlauf durchaus Begriffe enthalten können, über die ein Nutzer identifiziert werden könnte. "Wenn wir darauf aufmerksam werden, dass ein Teil Ihres Börsenverlaufs Sie ggf. identifizieren könnte, behandeln wir diesen Teil des Verlaufs als personenbezogene Daten und anonymisieren diese Daten."

Die Weitergabe der Daten erfolgt an mit AVG verbundene Unternehmen, Suchanbieter, ausgewählte Vertriebspartner, Händler und andere Geschäftspartner. An die Partner wird zudem die E-Mail-Adresse weitergegeben.

Kritik: Vorgehen "höchst unethisch"

Gegenüber "Wired" sagte ein Sprecher des Unternehmens, dass Nutzer der kostenlosen Version die Möglichkeit haben werden, die Weitergabe der Daten zu verbieten. Die neue Richtlinie tritt am 15. Oktober in Kraft. Auf die Sammlung von Suchdaten war schon in früheren Versionen der Datenschutzbestimmungen hingewiesen worden. Dass diese Daten weitergegeben werden, wird erst jetzt explizit ausgewiesen.

Für Sicherheitsexperten agiert die Software von AVG ähnlich wie Spyware. Das Vertrauen der Kunden auszunutzen sei "höchst unethisch", sagte Alexander Hanff von Think Privacy zu "Wired". Nutzer sollen sich eine andere kostenlose Alternative suchen, schlägt er vor. (br, 23.9.2015)

  • "Wir erfassen nicht personenbezogene Daten, um aus unseren kostenlosen Angeboten Geld zu verdienen, damit sie kostenlos bleiben", schreibt AVG in seinen neuen Datenschutzbestimmungen.
    foto: ap photo/dpa/oliver berg

    "Wir erfassen nicht personenbezogene Daten, um aus unseren kostenlosen Angeboten Geld zu verdienen, damit sie kostenlos bleiben", schreibt AVG in seinen neuen Datenschutzbestimmungen.

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