Media-Saturn will Mini-Märkte in Österreich aufmachen

22. September 2015, 18:01
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Elektrohändler plant Standorte zwischen 800 und 1.000 Quadratmetern – Dennoch keine Abkehr von großen

Wien – Angesichts des wachsenden Onlinegeschäfts verkleinern manche Händler in ihren stationären Märkten die Flächen. Der Buchhändler Thalia hat diesen Schritt schon vor längerer Zeit angekündigt und kehrt übergroßen Filialen den Rücken. Der Elektrohandelsriese Media Markt/Saturn plant in Österreich künftig auch kleinere Standorte zwischen 800 und 1.000 Quadratmetern statt der sonst üblichen 3.000 m2.

Eine Abkehr von großen Märkten bedeute das aber nicht, betonte Österreich-Chef Ditmar Krusenbaum am Dienstag vor Journalisten in Wien. Auch sollen keine großen Standorte geschlossen werden. Man wolle kleinere Formate "sorgsam ausprobieren". Wie viele solcher Mini-Märkte sich Krusenbaum vorstellen könnte, sagte er auf Nachfrage nicht.

Neuer Standort in Liezen

Media Markt verfügt in Österreich derzeit über 33 Standorte, die Vertriebsschiene Saturn kommt auf 15 Märkte. Für 2016 sei ein neuer Media Markt-Standort in Liezen geplant. Zusammen kommen die beiden Elektrohandelsketten auf einen Marktanteil von 25 Prozent und beschäftigten rund 2.800 Personen (Stand 2014). Im Geschäftsjahr 2013/14 setzte der Elektrohändler hierzulande 1,112 Mrd. Euro um, nach 1,116 Mrd. Euro im Jahr davor. Der Gewinn reduzierte sich von 34 auf 31 Mio. Euro. Aktuelle Zahlen nannte der Österreich-Chef heute nicht. Das laufende Geschäftsjahr 2014/15 endet per Ende September.

Das Ausbleiben eines Großereignisses wie der Fußball-WM in Brasilien im Vorjahr hat dem Elektrohandel im ersten Halbjahr 2015 einen Einbruch bei TV-Geräten beschert. Gegenüber 2014 brachen die Umsätze mit Fernsehern um 9 Prozent ein, gab der Elektrohandel kürzlich bekannt. Bei Smartphones gab es hingegen einen Umsatzzuwachs von 40 Prozent bei einem Absatzplus von 5 Prozent. Umsatzzuwächse von jeweils 5 Prozent gab es in den ersten sechs Monaten in den Segmenten Haushaltsgroßgeräte (Geschirrspüler, Herde, Kühlgeräte) sowie Haushaltskleingeräten (Kaffeeautomaten, Küchenmaschinen usw.).

Gas geben im Internet

Während die Wachstumsmöglichkeiten im stationären Bereich beschränkt sind, spielt das Online-Geschäft für Elektrohändler eine immer größere Rolle. Die Branche macht bereits 19 Prozent des Umsatzes im Netz. Neun Prozent des Online-Umsatzes in der Elektrobranche in Österreich entfällt dabei auf Media Markt/Saturn. Nachdem die Kette den Sprung ins Internet lange aufschob, gebe man nun online "Gas", so Krusenbaum.

Derzeit werden alle Märkte in Österreich umgerüstet und mit Bildschirmen ausgestattet, auf denen Kunden die ganze Palette der Waren abrufen können. Krusenbaum versteht das Online-Lager als "verlängertes Regal" – denn in einem Markt sei nie die ganze Bandbreite der verfügbaren Waren ausgestellt.

Verzahnung der Kanäle

Im Handel kommt man um die Verzahnung der Vertriebskanäle Online und Offline nicht mehr herum – Multichannel (Mehrkanal) nennt man das. Die Möglichkeiten dabei sind vielfältig: Wer im Internet bestellt, bekommt die Ware entweder geliefert oder kann sie im nächstliegenden Geschäft abholen. Artikel, die einem nicht gefallen, können sowohl mit der Post zurückgeschickt oder im Geschäft zurückgegeben werden. Für den Kunden soll es möglichst einfach und schnell gehen. Media Markt/Saturn will heuer deshalb in Wien mit der Auslieferung am gleichen Tag ("same day delivery") beginnen.

Ab 25. September werden Media Markt und Saturn in ausgewählten Märkten sowie über den Online-Shop auch die Apple Watch verkaufen, kündigte Krusenbaum an. Das Gerät wird ab 400 Euro zu haben sein. (APA, 22.9.2015)

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